Wirrer Wien-Tatort holt schwächste Quote seit Monaten

Amnesie, Alt-Nazis und Alzheimer-Tests: Der Österreich-Tatort "Unvergessen" mit Harald Krassnitzer als Moritz Eisner war leider arg überfrachtet.

Amnesie, Alt-Nazis und Alzheimer-Tests: Der Österreich-Tatort "Unvergessen" mit Harald Krassnitzer als Moritz Eisner war leider arg überfrachtet. © rbb/ORF/Toni Muhr

21.05.2013 · von Tobias Frauen

"Unvergessen", der 30. Einsatz von Harald Krassnitzer als Wiener Tatort-Kommissar Moritz Eisner, war ambitioniert - teilweise zu ambitioniert. Trotz Tagessieg fuhr der Austro-Krimi die schlechteste Tatort-Quote der letzten Monate ein.

Harald Krassnitzer hat die Figur des granteligen Moritz Eisner inzwischen so perfektioniert, dass er auch schwache Drehbücher locker überspielen kann. In "Unvergessen" konnte er besonders auftrumpfen. Wie Eisner körperlich geschwächt mit Projektil-Fragment im Schädel gegen die eigenen Erinnerungslücken, die Polizei-Bürokratie und den Kärntner Dorf-Filz verzweifelt ankämpft, war allererste Klasse. Mit leicht psychedelischen Flashbacks und plötzlichen Zeitsprüngen war Eisners Sicht auch auf filmischer Ebene eindrucksvoll inszeniert.

Zu viele Themen, zu überraschende Wendung

Bibi Fellner (Adele Neuhauser), Eisner-Tochter Claudia (Tanja Raunig) und Staatsanwalt Ernst Rauter (Hubert Kramar) hielten sich dabei angenehm zurück und gaben Krassnitzer viel Raum für die Entfaltung der Geschichte. Leider lässt sich dass von der eigentlichen Handlung nicht sagen: Historische Nazi-Massaker, Medikamenten-Tests an Menschen, Enthüllungs-Journalismus und dörflicher Filz sind nur einige der Themen, die angeschnitten, aber leider nicht weiter ausgeführt werden.

Das war das große Manko von "Unvergessen": Hätte der Mord etwas mit der Nazi-Vergangenheit des Dorfes zu tun gehabt, wäre es eine runde Geschichte gewesen, die zudem noch ein nahezu vergessenes Kapitel der österreichischen Geschichte aufgegriffen hätte. Durch die plötzliche Wendung kurz vor Schluss wirkt der gesamte Tatort im Rückblick aber sehr gewollt. Darauf, dass der Ehemann der Journalistin seine Frau ermordet hat, gab es zuvor ebensowenig Hinweise wie auf die Medikamenten-Tests an Alzheimer-Kranken in Georgien, die die Journalistin enthüllen wollte. Eisners Gedächtnislücken waren für die Autoren scheinbar ein allzu verlockendes Stilmittel. Weil jederzeit in einem plötzlichen Geistesblitz oder Flashback wichtige Details ans Licht kommen konnten, war eine halbwegs stringente Handlung unnötig.

Grissemann und Stermann als Dartscheibe, fahrende Särge

Ein großer Spaß waren jedoch bei diesem Tatort aus Wien die versteckten Spielereien. Egal ob das in Kärnten teilweise verbotene Kabarett-Duo Grissemann und Stermann als Dartscheibe der Dorf-Polizei, die ferngesteuerten Särge in der Pathologie oder die pointierten Dialoge - auch neben der Haupt-Handlung gab es einiges zu entdecken.

Trotz des streckenweise arg gewöhnungsbedürftigen Kärntner und Wiener Dialektes schalteten 7,69 Millionen Zuschauer ein und brachten dem Tatort einen Marktanteil von 22,3 % (14-49: 2,18 Mio., 16,2 %). Das war der Tagessieg am Pfingst-Montag, doch gleichzeitig auch die schlechteste Tatort-Quote seit Monaten. Nur aus der Schweiz und aus Berlin kamen 2013 noch schwächere Tatort-Folgen. Unterm Strich bleibt eine großartige Leistung von Harald Krassnitzer in einer Geschichte, die allzu überfrachtet war.

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