Tatort über Fracking: Sympathy for the Möhring

Tatort Norddeutschland: Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ermittelt mit seiner neuen Partnerin Julia Grosz (Franziska Weisz)

Tatort Norddeutschland: Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ermittelt mit seiner neuen Partnerin Julia Grosz (Franziska Weisz). © NDR/Christine Schroeder

27.11.2017 · von Tobias Frauen

Wenn am Ende die Dorf-Bevölkerung mit leeren Blicken durch den Supermarkt wankt, liegt die vielzitierte Ähnlichkeit zu "The Walking Dead" nahe. Doch "Böser Boden", der Falke-Tatort aus der niedersächsischen Provinz, holt nicht die Horror-Keule raus wie zuletzt die Frankfurter. Alle scheinbar unnatürlichen und unheimlichen Erscheinungen werden am Ende einigermaßen Logisch erklärt, doch nicht alle Zuschauer haben so lange aufgepasst.

Denn dieser Tatort aus Norddeutschland kommt mitten in die Diskussion um Experimental-Tatorte. Und sogleich werden die Zombie-Elemente bei Twitter, Facebook und in den Besprechungen verteufelt. Auch die iranische Familie des Toten wird digital angegangen, aber dunkelbraune Kommentare von ganz rechts gehören ja inzwischen leider dazu. Wer aber den Tatort aufmerksam bis zum Ende geschaut hat, der bekommt auch die Auflösung mit: Die "Zombie-Verwandlungen" sind durch Gifte verursacht, die eine Fracking-Firma in Boden und Grundwasser drückt und die anschließend Gewässer und Trinkwasser verseuchen und bis ins Gehirn eindringen. Dass in einigen Landstrichen der Republik Fracking ernsthaft in Erwägung gezogen wird, macht diesen Tatort bei aller Fantasie erschreckend aktuell und relevant.

Das macht "Böser Boden" zu einem ungewöhnlichen Umwelt-Thriller. Und Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) zeigt wieder, warum er einer der besten Tatort-Ermittler ist und ein würdiger Erbe von Schimanski. Lederjacke, Sprüche, "Sympathy for the devil" auf dem Handy - die Figur ist so locker wie der Darsteller selbst. Nur die Story um seinen Sohn hätte man sich sparen können. Noch ein wenig unklar ist die Rolle, die Julia Grosz (Franziska Weisz) im Norddeutschland-Tatort spielen soll. Die wortkarge Grüblerin passt zwar gut zum Umfeld, bleibt aber in ihrem zweiten Auftritt ein wenig blass.

"Böser Boden" holt mit 7,99 Millionen und 21,8% Marktanteil eine nur mittelmäßige Quote. Schwieriges Thema? Unkonventionelle Umsetzung? Lange Falke-Pause? Schon in drei Wochen aber kommt der nächste Tatort mit Wotan Wilke Möhring, dann garantiert ohne Zombies.

Das sagt Twitter zum Falke-Tatort "Böser Boden"

Zombies! Da hat jeder so seine eigenen Assoziationen...

Nach eineinhalb Jahren Pause feiert Wotan Wilke Möhring alias Torsten Falke sein Comeback!

In bester Lindholm-Manier werden im Norddeutschland-Tatort heruntergekommene Hotels bewohnt, Dorfpolizisten herumkommandiert und regionale Eigenheiten strapaziert.

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