Tatort-Quoten deutlich abgerutscht - "Freigang" dennoch Tagessieger

Am Ende ist alles gut und der Porsche darf wieder rauskommen: "Freigang" war der letzte Tatort vor der Sommerpause.

Am Ende ist alles gut und der Porsche darf wieder rauskommen: "Freigang" war der letzte Tatort vor der Sommerpause. © SWR/Johannes Krieg

10.06.2014 · von Tobias Frauen

Knast, immer wieder Knast. Was bei den meisten Tatorten am Ende stehen sollte, wird in letzter Zeit immer häufiger zum Mittelpunkt der Handlung. Aus dramaturgischer Sicht verständlich, denn das Szenario enthält viele Elemente, die einen Krimi quasi von alleine spannend machen können: Ein abgeschlossener Raum aus dem es - eigentlich - kein Entkommen gibt, jede Menge verurteilte Straftäter, die alle als Mörder in Frage kommen, sowie die ganz eigene Dynamik die sich bei unfreiwilligem Zusammenleben auf engstem Raum ergibt.

Der Tatort "Freigang" aus Stuttgart nutzte ebenfalls diese Blaupause für einen spannend gemachten Krimi. Doch die Quoten brachen - gemessen am sonstigen Tatort-Level - deutlich ein: 6,42 Millionen und 23,2 % Marktanteil (14-49: 1,66 Mio.; 16,2%). Neben dem schönen Wetter dürfte auch der ungewöhnliche Sendeplatz zwischen lauter Sommer-Wiederholungen seinen Anteil daran haben. Außerdem gab es bereits Anfang des Jahres mit "Franziska" aus Köln einen brillianten Knast-Tatort, und überflüssigerweise wurde erst vor zwei Wochen der (an sich auch sehr gute) Frankfurt-Tatort "Wer das Schweigen bricht" wiederholt, der in einem Jugendgefängnis spielt. Diese Programmplanung hätte man besser machen können.

 

"Freigang" war vor allem dadurch spannend, dass die Bösewichte in Uniform deutlich perfider agierten als die, die in den Zellen sitzen. Wie Puppenspieler nutzen Sie die Häftlinge für ihre Interessen. Die Insassen sind abhängig von den Wärtern und noch dazu gewaltbereit - eine explosive Mischung.

Abgesehen davon, dass Lannerts (Richy Müller) Undercover-Einsatz wohl in der Realität so nie genehmigt worden wäre, bietet die doppelte Sicht aufs Geschehen ein weiteres reizvolles Stilmittel. Gemeinsam mit der Gefahr für die schwerst schwäbelnde Witwe am Schluss ein sehr solider Spannungsbogen - nicht unbedingt einfallsreich, aber wirkungsvoll.

Die besten Tweets zum Tatort "Freigang"

Allzuoft wird der fehlende Lokalkolorit bemängelt. In diesem Stuttgart-Tatort durfte dann die Schließer-Witwe vollkommen ungezügelt drauflosschwäbeln. Für alle Nicht-Schwaben nicht ganz einfach zu verstehen.

Zur Dienstbesprechung in den Puff...klar, dass der konspirative Treffpunkt nicht unkommentiert bleiben würde.

Bei Lannerts Tarnung wurde an alles gedacht.

Ob es das schöne Wetter war oder die Tatsache, dass sich zwischen diversen Wiederholungen doch noch ein neuer Tatort versteckte? Jedenfalls waren die Twitter-Kommentare ungewohnt spärlich.

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