Tatort München: Viel Licht, riesiger Schatten

Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic haben es im Tatort "Das verkaufte Lächeln" mit Chat-wütigen Teenies wie Hanna (Anna-Lena Klenke) zu tun.

Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic haben es im Tatort "Das verkaufte Lächeln" mit Chat-wütigen Teenies wie Hanna (Anna-Lena Klenke) zu tun. © BR/Erika Hauri

29.12.2014 · von Tobias Frauen

"Wer ist hier eigentlich Opfer und wer Täter?" fragt Leitmayr im München-Tatort "Das verkaufte Lächeln" (9,71 Mio.; 27,4 %). Thema waren Teenager, die sich vor Webcams ausziehen und von erwachsenen Männern dafür Geld und Geschenke erhalten. Nach dem, was Tim (Justus Schlingensiepen), Flo (Nino Böhlau) und Hanna (Anna-Lena Klenke) da so an ihren Laptops trieben, werden sich wohl zahlreiche Eltern mal den Rechner ihrer Kindern genauer anschauen.

Andreas Senn (Regie) und Holger Joos (Buch) lassen bei diesem Tatort die Grenzen verschwimmen, was den Fall nicht nur für Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) stellenweise schwer greifbar macht. Gerade bei solch einem brisanten Thema eine mutige, aber richtige Entscheidung. Andere Ermittler hätten in einer schwarz-weiß gemalten Geschichte mit erhobenem Zeigefinger vor sich hin moralisiert, doch dieses Mal waren Story und Darstellung (erschreckend) realitätsnah.

Auch die Inszenierung verdient Lob: Mit geschickten Schnitten und kurzen Andeutungen wurde viel erzählt und bekannte Krimi-Elemente fanden nur im Kopf des Zuschauers statt. Vor allem zu Beginn brachte das ein gutes Tempo und Spannung, zum Ende hin fielen dann doch noch manchmal Standard-Sätze wie "Wo waren Sie gestern abend...?".

 

Doch wie so häufig versagte auch dieser Tatort beim Umgang mit Online-Themen nahezu komplett. Auch wenn Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) die meiste Netz-Arbeit übernahm (klischee-mäßig zwischen Spielkonsole und Pizza-Kartons), müssen sich die Tatort-Verantwortlichen dringend Gedanken um eine effektive Qualitätskontrolle machen. Fake-Webseiten und platte Chats sind das Eine, inhaltliche Fehler und Panikmache das andere. Das mag zum alternden Tatort-Zuschauerprofil passen - für den Tatort ist das nur noch peinlich.

Die besten Tweets zum München-Tatort "Das verkaufte Lächeln"

Tatort und Internet - Die Twitter-Gemeinde ahnt da schon Unheimliches...

Immerhin: Assistent Kalli kann unfallfrei eine Maus steuern und den greisen Kommissaren das lästige Arbeiten mit "diesem Internetz" ersparen.

Gesamteindruck bei Twitter: Tatort soweit gut, Thema getroffen - aber die Fassungslosigkeit über die weltfremde Internet-Inzenierung überschattet alles.

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