Tatort München: Es lebe der Spießer

Tatort München: Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) haben in "Die ewige Welle" verschiedene Interessen.

Tatort München: Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) haben in "Die ewige Welle" verschiedene Interessen. Bild: BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Henrik Heiden

27.05.2019 · von Tobias Frauen

Jede Wette, dass sich Leitmayr schon im nächsten Fall nicht mehr an seine Surfer-Vergangenheit und die Träume seiner Jugend erinnern wird? Wie so häufig bei Rückblenden in die Vergangenheit wirkte auch der wilde Sommer 84 in der Jugend von "Francesco" Leitmayr (Udo Wachtveitl) im Fall "Die ewige Welle" sehr konstruiert. Während er an die Träume seiner Jugend erinnert wird, seine alte Liebe und wiedertrifft und vom entspannten Leben inspiriert sogar phasenweise sein Hemd nicht in die Hose steckt, spürt Batic (Miroslav Nemec) den Rücken unter der Last des Alters knarzen. Am Ende liegen die Beamten der bayerischen Staatsregierung kiffend auf der Wiese - der eine aus Nostalgie, der andere als Therapie.

Ob ähnliche Rauchwaren auch bei der Produktion dieses Tatortes im Spiel waren? Als nüchterner Betrachter erschien einem die Handlung extrem gedehnt und zäh. Ermittelten Batic und Leitmayr überhaupt oder ging es nur um vergangene Zeiten? Auch die Todesopfer waren seltsam nebensächlich. Was will uns "Die ewige Welle" also sagen? Wer seine Träume lebt, wird eine gescheiterte Existenz wie Mikesch (Andreas Lust), also werde lieber Beamter? Das Fünkchen Zweifel, was Leitmayr bei der Erinnerung an frühere Zeiten beschleicht, wird angesichts der prekären Lebensverhältnisse der Mikesch-Clique im Keim erstickt. Die einst besten Freunde verstehen einander nicht mehr, so verschieden sind sie geworden.

"Die ewige Welle" ist also keine Hommage an Münchens Eisbach, die dortige Surfer-Szene und das Kuriosum mitten in der Stadt, sondern vielmehr eine deftige Watschn für jeglichen Idealismus und alternative Lebensentwürfe. So weit, so schlimm, doch leider kommt das Ganze auch noch ohne  Spannung daher. Ein paar halbherzige Verfolgungsjagden und Ganoven mit (unfreiwilligem?) Slapstick-Charakter, das wars. Batic und Leitmayr, das könnt ihr besser - auch in Sachen Quote (8,85 Mio, 26,1%). Und nächstes Mal erinnert sich ja eh niemand mehr an diese Episode.

Das sagt Twitter zum Surfer-Tatort aus München

Sorry, Tatort, aber: Den besseren Krimi lieferte an diesem Abend die Europawahl.

Eine der spannendsten Fragen: Wo ist denn nun diese Jacke?

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