Tatort Luzern: Sie können es ja doch!

Tatort Luzern: Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) werden zu Geiseln.

Tatort Luzern: Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) werden zu Geiseln. © ARD Degeto/ORF/Daniel Winkler

28.12.2018 · von Tobias Frauen

Bald ist der Tatort Luzern mit den Kommissaren Reto Flückiger und Liz Ritschard Geschichte. Am Sonntagabend gehen die beiden in "Friss oder stirb" zum vorletzten Mal gemeinsam auf Verbrecherjagd. Nach einem letzten Fall im Frühjahr 2019 geben sie den Staffelstab dann nach Zürich an ein neues Team ab. Doch im aktuellen Fall zeigen sie - unglaublich, aber wahr - eine imposante Leistung.

Seinen Reiz gewinnt der Tatort "Friss oder stirb" vor allem durch das Setting: Die Macher entschieden sich für eine Art Kammerspiel mit quasi nur einem Handlungsort: In einer noblen Villa werden eine Familie und später auch die Kommissare von einem Verbrecher in Schach gehalten. Als Rahmenhandlung dient zudem ein ungeklärter Mordfall an einer Universitätsdozentin. Kammerspiel und ein relativ simples Verbrechen, das ist wenig einfalls reich, aber sehr solide Krimi-Kunst!

Darum geht's im Tatort aus der Schweiz

Am frühen Morgen werden Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) an einen Tatort gerufen. Die Tote war Wirtschaftsprofessorin an der Uni Luzern und wurde mit einer Schere erstochen. Ein Schaden an einem vor dem Haus geparkten Auto könnte vom Fluchtwagen des Täters stammen. Corinna Haas (Fabienne Hadorn) nimmt Lackproben. Ungefähr zur gleichen Zeit überquert der deutsche Arbeitslose Mike Liebknecht (Misel Maticevic) die Schweizer Grenze. Im Handschuhfach hat er eine Pistole versteckt. Wenig später ist Liebknecht bereits in die luxuriöse Villa von Anton Seematter (unglücklich besetzt: Roland Koch, früher Schweizer Kommissar im Bodensee-Tatort) eingedrungen.

Er nimmt dessen Tochter Leonie (Cecilia Steiner) und Seematters Ehefrau Sofia (Katharina von Bock) als Geiseln. Ungeduldig wartet er auf den Familienvater, der bald nach Hause kommen soll. Unterdessen ergeben die Lackproben des Fluchtwagens, dass das Auto Anton Seematter gehört, dessen Tochter bei der Ermordeten studiert hat. Des Weiteren entdecken die Ermittler, dass das Tatopfer eine substanzielle Spende von Seematter, gegen den Willen der Uni-Leitung, zurückgewiesen hat. Die Ermittler setzen sich ins Auto und fahren für eine Befragung zur Villa der Seematters - wo sie ebenfalls zu Geiseln werden.

Lohnt sich das Einschalten beim Schweizer Tatort?

Ja, tatsächlich. "Friss oder stirb" ist tatsächlich einer der besseren Schweizer Tatorte. Das leidige Schweizer Problem mit der Synchronisation wurde dieses Mal mit einem einfachen Kniff behoben: Der Protagonist ist Deutscher, mit dem alle Hochdeutsch reden. Somit mussten nur kleine Teile nachbearbeitet werden. Zwar spielt die Story mehr oder minder wieder in Echtzeit - wie beim Experiment "Die Musik stirbt zuletzt" im Sommer - doch diesmal wurde alles gut inszeniert, mit Schnitten versehen und aus mehreren Kamera-Perspektiven festgehalten, wie es eben das geübte Krimi-Auge gewohnt ist.

Der Krimi ist kurzweilig mit realistischen Figuren gespickt, spannend bis zum Schluss und mit guter Musik untermalt. Zugegeben: Die Idee, ein Kammerspiel während einer Entführungsszenerie zu zeigen, ist natürlich alles andere als neu. Dennoch sieht man immer wieder gerne zu, wie eine Verzweiflungstat immer mehr ausartet. Einziges Manko: das überdramatische Ende, bei dem die Macher vielleicht ein wenig über die Stränge schlugen.

Bleibt nur noch die Frage, warum eigentlich so viele Tatort-Teams erst ihre besten Fälle zeigen, wenn ihr Ende bereits beschlossen ist?

(mit Material von Spot On News)

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