Tatort Leipzig: Wenn möglich, bitte wenden!

Katja Riemann als Gaststar neben Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) im Tatort aus Leipzig.

Katja Riemann als Gaststar neben Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) im Tatort aus Leipzig. © MDR/Saxonia Media/Junghans

17.06.2013 · von Tobias Frauen

Absurde Dialoge? Zuviel Gefühls-Duselei? Unrealistische Story? Macht nix, der Leipzig-Tatort "Die Wahrheit stirbt zuerst" holte trotzdem über acht Millionen Zuschauer vors TV. Aber warum nur?

Über das Phänomen, dass auch grottenschlechte Krimis eine Top-Quote holen, solange sie nur am Sonntag um 20:15 Uhr laufen, haben wir an dieser Stelle schon häufig philosophiert. Seit gestern gibt es nun ein neues Beweisstück in der Indizienkette. "Die Wahrheit stirbt zuerst", der 17. Einsatz von Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke), erreichte 8,11 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 26 % (14-49: 2,42 Mio., 19,9 %).

An einem vielerorts schönen Sommerabend wurde der Zuschauer in den tiefsten sächsischen Winter entführt und durfte Saalfeld und Keppler beim vorsichtigen Wiederaufflackern der alten Gefühle betrachten. Anlass für so viel Gefühls-Duselei war ein tapfer als "See" bezeichneter Teich, an dem die Kommissare einst ein Liebes-Wochenende verbrachten, und das Auftauchen von Kepplers Ex Linda Groner (Katja Riemann). Auch wenn der Status Quo der beiden am Ende unverändert war - diese Beamten-Love-Story hätte besser zu Rosamunde Pilcher gepasst als zum Tatort.

Logik? Fehlanzeige!

Begleitet wurde der hübsch bebilderte Liebes-Reigen von einem durchaus als absurd zu bezeichnenden Mord. Aber Leipzig wäre nicht Leipzig, wenn das getötete Mädchen nicht eine größere Bedeutung gehabt hätte. Die kleine Amelie starb, damit ein zwielichtiger Geschäftsmann (Bernhard Schir) - gleichzeitig ihr Stiefvater - ungestört präzise Navis in den Sudan liefern konnte. Der leibliche Vater versuchte indes mehrfach erfolglos, sich umzubringen und wurde per realitätsferner Echtzeit-Blutspende im Leichenwagen von Eva Saalfeld ins Leben zurückgeholt.

Doch die beschauliche Ermittelei im Familienumfeld wird von BKA-Beamtin Linda Groner (Riemann) gestört, die mit einer Ausrüstung in Leipzig auftaucht, von der jeder Hardliner-Innenminister nur träumen kann. Überwachungs-Van, komplett verwanzte Wohnungen und sogar Spionage-Trojaner werden eingesetzt, um den Navi-Schmuggler zu überführen. Das tote Mädchen ist für die zickige Polizei-Domina nur ein Kollateralschaden. Ehrensache, dass die privat belasteten Saalfeld und Keppler (auch sie hatten einst ein Kind, das starb) trotz Suspendierung weiterermittelten und von der Lösung des Falles am Ende ähnlich überrascht schienen wie die Zuschauer.

Einziger Lichtblick in "Die Wahrheit stirbt zuerst" war der Auftritt von Katja Riemann. Auch wenn man sich nach den zurückliegenden Interview-Auftritten fragen konnte, ob Riemann die Rolle der zickigen, eiskalten BKA-Frau wirklich spielt oder einfach nur sie selbst ist - Abwechslung und frischen Wind brachte sie auf jeden Fall.

Dieser Tatort lässt leider allzu viele Fragen offen: Wagen es die Verantwortlichen, die Liebesgeschichte weiterzuspinnen? Was macht Simone Thomalla, wenn sie mal mimisch agieren müsste? Und vor allem: Warum bekommt der Sudan präzise Navis, normale Autofahrer aber nicht? Fazit: Das war nichts, Tatort Leipzig! Wenn möglich, bitte wenden!

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