Tatort Leipzig: Quote gut, Story lau

Ein verbrannter Mann führt Andreas Keppler (Martin Wuttke) und Eva Saalfeld (Simone Thomalla) zu einem Deutsch-Afghanischen Verein.

Ein verbrannter Mann führt Andreas Keppler (Martin Wuttke) und Eva Saalfeld (Simone Thomalla) zu einem Deutsch-Afghanischen Verein. © MDR/Junghans

18.03.2013 · von Tobias Frauen

Wie heißt es doch so schön? Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. So lässt sich auch der Leipzig-Tatort "Schwarzer Afghane" trefflich beschreiben. 

Mit dem Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" im ZDF hatte der Tatort am Sonntag ungewohnt starke Konkurrenz. Dennoch holte der Krimi aus Leipzig eine Top-Quote von 8,73 Millionen Zuschauern und 24,3 % Marktanteil insgesamt (14-49: 3,01 Mio., 21,2 %). Das sind zwar satte vier Millionen weniger als Til Schweiger eine Woche zuvor eingefahren hatte, für den reichlich kruden und eher drögen Leipzig-Tatort aber allemal ein Erfolg.

Dabei hatten sich die Macher von "Schwarzer Afghane" offenbar einiges vorgenommen. Die Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) wurden bei ihren Ermittlungen mit afghanischen Einwanderern, einem undurchsichtigen Spediteur, einem Major des militärischen Abschirmdienstes und vor allem jeder Menge Klischees konfrontiert. Wie so oft gilt auch hier: Eine Hausnummer kleiner hätte den Film sicherlich nicht schlechter gemacht.

Blonde Studentin als Retterin in der Sackgasse

Wenn mehrmals der Satz fällt "Deutsche saufen, Afghanen rauchen", der deutsche Nazi-Hausmeister wild über "die Araber" schimpft und Student Arian Bakhtari (Kostja Ullmann) mit geklauten amerikanischen Raketen in der Badewanne herumspielt und ein Flugzeug in die Luft jagen will, versinkt jeder noch so ehrenwerte Ansatz in plumpen Klischees. Doch dem nicht genug: Die Drehbuchautoren waren von ihrer eigenen Geschichte offenbar öfters so verwirrt, dass sie selbst den Faden verloren. Immer dann tauchte zufällig eine blonde Studentin auf, um Saalfeld und Keppler den entscheidenden Hinweis zu geben, der die Geschichte weiterbringt.

Das wirre Drehbuch, aber auch die Schauspieler waren während des Tatortes das Haupthema bei Twitter. Immer wieder wurde Simone Thomallas starre Mimik durch den Kakao gezogen, und auch Martin Wuttke im sommerlichen Dandy-Look bekam sein Fett weg.

Auch wenn "stern.de" das Leipziger Tatort-Team "auf Augenhöhe" mit Til Schweigers erstem Einsatz sieht, hat "Schwarzer Afghane" sein Ziel komplett verfehlt. Die Klischees, die im Film angeprangert werden (Schmuggel, Drogen, Terroristen), werden aufgegriffen und auf die banalste Weise bestätigt. Das kann auch der Showdown am Ende, der endlich ein wenig Spannung aufkommen ließ, nicht wieder rausreißen.

 > 
Tatort-Blog.de