Tatort Konstanz: Der hat keine Überlänge, der ist wirklich so lahm

Die hübsche Blonde im Leo-Look (Alexandra Finder) kommt Perlmann (Sebastian Bezzel) beinahe teuer zu stehen.

Die hübsche Blonde im Leo-Look (Alexandra Finder) kommt Perlmann (Sebastian Bezzel) beinahe teuer zu stehen. © SWR/Peter Hollenbach

20.01.2014 · von Tobias Frauen

Immer wieder ein Phänomen in Sachen Tatort: Auch wenn Geschichte und Ermittler zähe 90 Minuten versprechen, schalten doch immer wieder Millionen ein. So auch gestern bei "Todesspiel" aus Konstanz: Klara Blum (Eva Mattes) ermittelt uninspiriert und trutschig vor sich hin, Perlmann (Sebastian Bezzel) gelingt das Kunststück, auch mit seiner mittlerweile gelangweilten Bräsigkeit im Kreise der High Society nicht aufzufallen. Die alte Spannung und Energie zwischen den beiden ist längst dahin, man wartet am Bodensee auf die Rente. Und dennoch holte der Tatort mit sage und schreibe 9,95 Millionen Zuschauern und einem Anteil von 26,4 % wieder mal den Tagessieg. Nur bei den jüngeren Zuschauern zwischen 14 und 49 lag das RTL-Dschungelcamp vorne, der Tatort kam mit 2,94 Millionen und 19,9 % auf Platz Zwei.

Nicht nur in den Vorab-Kritiken, sondern auch bei Twitter fiel "Todesspiel" glattweg durch. Nach dem frischen "Die fette Hoppe" (Weimar, 26.12.), dem liebenswert-durchgeknallten "Borowski und der Engel" (Kiel, 29.12) und den extrem dichten und spannenden "Eskimo" und "Franziska" (Frankfurt und Köln, 5.1.) lag die Latte noch einmal höher als sonst. Das Tatort gewordene Graubrot aus Konstanz kann mit dem opulenten Festschmaus der Feiertage da nicht mithalten. Trotz einer prinzipiell ordentlichen Ausgangssitutation - ein begrenzter Personenkreis, viele Motive, Undercover-Ermittlungen - versinkt die Handlung mit den gewollt extravaganten und dadurch grotesk überzeichneten Figuren in die Mittelmäßigkeit und noch darunter.

In der stetig wachsenden Tatort-Landschaft fehlt Blum und Perlmann das gewisse Etwas. Andere Ermittler haben ihren eigenen Stil und die einzelnen Sendeanstalten geben ihren Tatorten einen bestimmten Ton als Alleinstellungsmerkmal mit. Am Bodensee verzichtet man inzwischen scheinbar auch darauf, sondern bildet den tristen Beamten-Alltag ab. Auch die immer wieder strapazierte Nachbarschaft zur Schweiz ist da nicht mehr als ein ödes Ritual. Da würde es nicht wundern, wenn demnächst im Konstanzer Präsidium 90 Minuten gezeigt wird, wie Perlmann Protokolle abtippt. Viel einschläfernder wäre auch das nicht.

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