Tatort Konstanz: "Alpenpanorama wäre spannender"

Top-Quote für Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) und Klara Blum (Eva Mattes) beim Tatort aus Konstanz - trotz schwacher Leistung.

Top-Quote für Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) und Klara Blum (Eva Mattes) beim Tatort aus Konstanz - trotz schwacher Leistung. © SWR/Stephanie Schweigert

24.06.2013 · von Tobias Frauen

Natürlich holte der Tatort am Sonntag mit 9,02 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 27,3 % wie gewohnt souverän den Quoten-Tagessieg. Auch wenn der Bodensee-Tatort sich mit einem vollgestopfen Drehbuch sehr bemühte, haben Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) mit ihren betulichen Fällen den Anschluss an andere Ermittler scheinbar verloren.

Nach dem müden Dorf-Krimi "Die schöne Mona ist tot" wollte man bei "Letzte Tage" scheinbar das ganz große Rad drehen. An Zutaten mangelte es dem Drehbuch nicht: Sex & Crime, krebskranke Kinder und schöne Frauen, deutsch-schweizerische Verwicklungen, mysteriöse Daten-CDs und das große, böse Pharma-Unternehmen. Doch selbst Perlmann brachte da nur ein gelangweiltes "Da schau her, mal wieder ein Medikamenten-Skandal…" zustande. Dass Dialoge und Plot bei den Konstanzer Tatorten bisweilen wie eine Parodie ihrer selbst erscheinen, ist man als Zuschauer leider schon gewöhnt.

Figuren wirken auserzählt

Irgendwie wirken die Figuren Klara Blum und Kai Perlmann seltsam auserzählt. Auch wenn zu viel Privates selten gut ankommt – eine Entwicklung ist bei den Konstanzer Kommissaren schon länger nicht mehr erkennbar. Dabei war die Geschichte in "Letzte Tage" durchaus eine Chance: Wenn man Perlmann eine Frau an die Seite stellen und ihn endlich richtig erwachsen lassen werden würde, gäbe es sicherlich neuen Schwung. Seine Sinnkrise ist mehr als verständlich: Über zehn Jahre lang durch Konstanz fahren und "Wo waren Sie gestern Abend?" fragen, macht auf Dauer bestimmt nicht glücklich. Also, gebt Perlmann Frau, Kinder und eine Beförderung!

Auch Klara Blum könnte durch eine Entwicklung ihres ewigen Assistenten neue Charakterzüge an den Tag legen. Die wie betoniert scheinende Konstellation könnte aufgebrochen und Rollen neu definiert werden. Auch ein neuer Sidekick wäre hilfreich – doch der neue Rechtsmediziner zum Beispiel bleibt weitgehend eindimensional.

Das Alleinstellungsmerkmal des Tatortes aus Konstanz – die fast meditativen Ermittlungen am ätherisch daliegenden Bodensee – mögen zwar entschleunigend wirken, doch spannend sind sie nicht. Twitter-Nutzer "@schwarztal" schrieb dazu treffend: "Idee für den nächsten Bodensee #Tatort: Einfach wie beim Alpenpanorama ne Kamera 90 Minuten über den See schwenken. Wär spannender." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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