Tatort Köln: "Muss ich von abraten"

Mutter Simone Schäfer (Alma Leiberg) und der Vater Roman Sasse (Barnaby Metschurat) machen sich große Sorgen um ihren Sohn Lukas.

Mutter Simone Schäfer (Alma Leiberg) und der Vater Roman Sasse (Barnaby Metschurat) machen sich große Sorgen um ihren Sohn Lukas. © WDR/Martin Menke

22.04.2013 · von Tobias Frauen

Auch ein eher durchschnittlicher Tatort aus Köln lockte über zehn Millionen Zuschauer vor den Fernseher. Die Kritik war jedoch sehr durchwachsen.

Wenn Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) ermitteln, wird üblicherweise mit dem moralischen Zeigefinger gewunken - mal mehr, mal weniger. Davon war gestern bei "Trautes Heim" kaum etwas zu sehen, doch wirklich nach vorn gebracht hat es die Geschichte nicht. Dennoch holte der Tatort mit 10,27 Millionen Zuschauern und 28,6 % Marktanteil (14-49: 3,42 Mio., 24,1 %) mit großem Vorsprung den Tagessieg.

Was war die zentrale Geschichte bei "Trautes Heim"? Darüber waren sich weder die Kritiker noch die twitternden Zuschauer einig. Oder, wie "stern.de" es formuliert: "An Handlungssträngen mangelte es dem Tatort aus Köln wahrlich nicht." Auch die beeindruckende Anzahl von Figuren machte die etwas abenteuerlich konstruierte Geschichte nicht übersichtlicher.

Auch Ballauf und Schenk waren leicht verwirrt und hatten das entführte Kind zeitweise scheinbar vergessen. Stattdessen zeigten sie sich schwer beeindruckt vom wohl organisierten Doppelleben des Familienvaters Roman Sasse (Barnaby Metschurat). Dass sowohl er als auch die penetrant anwesenden Tante und Onkel (Meike Droste und Lasse Myhr) Dreck am Stecken haben, war dem Zuschauer von Anfang an klar und nahm somit weitgehend die Spannung.

In Gedanken schon an der Wurstbude

Irgendwann musste es dann schnell gehen, denn die 90 Minuten waren fast vorbei. Und um noch genügend Zeit für einen semi-dramatischen Showdown zu haben, enthüllte Sasse erstaunlich beiläufig sein neun Jahre lang gepflegtes Doppelleben. Die betrogene Ehefrau Ruth Junghanns (Sandra Borgmann) durfte sich dann bei Max Ballauf ausheulen: "Ich möchte ihm eine Kugel in den Kopf jagen." Dass der Tatort-Kommissar daraufhin nur gelangweilt antwortet "Kann ich verstehen. Muss ich aber von abraten", war symptomatisch. Die sonst so engagierten Ermittler spulen routiniert ihr Standard-Programm ab, in Gedanken stehen sie schon mit Kölsch an der Wurstbude.

Unterm Strich hinterlässt "Trautes Heim" einen zwiegespalteten Eindruck. Auf der einen Seite ein wohltuend unaufgeregter Köln-Tatort zwischen all den Top-Events aus Hamburg, Frankfurt und Münster. Auf der anderen Seite hätte aber auch ein simpler Rätsel-Tatort mehr Engagement von allen Seiten verdient.

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