Tatort Dortmund: Tief in die Seele des Ruhrgebietes

Tatort Dortmund: Faber (Jörg Hartmann) und sein Tam tauchen tief in die Seele des Ruhrgebietes ein.

Tatort Dortmund: Faber (Jörg Hartmann) und sein Tam tauchen tief in die Seele des Ruhrgebietes ein. © WDR/Thomas Kost

18.01.2019 · von Tobias Frauen

Erst vor wenigen Wochen hat die letzte Zeche im Ruhrgebiet zugemacht, am Sonntag kommt der Tatort zum Thema. Dortmunds Kommissar Faber ist nicht gerade für ein Übermaß an Betroffenheit bekannt, und gerade deswegen ist er genau der Richtige für solch einen Fall. In bester Schimanski-Manier zeigt er, dass auch er im Grunde ein Kumpel ist. Die einen fördern Kohle zu Tage, Faber buddelt in menschlichen Abgründen, beiden geht es dreckig.

Darum geht's im Tatort aus Dortmund

Der ehemalige Bergmann Andreas Sobitsch (Daniel Fritz) wird erschossen am Flussufer aufgefunden, unweit von Dortmund. Sein Zuhause war eine alte Zechensiedlung. Die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon) befragen Freunde und Ex-Kollegen des Mordopfers. Sobitsch hatte sich bis zuletzt für die Interessen der Bergleute eingesetzt.

Aber in der einst eingeschworenen Gemeinschaft herrscht Streit: Auf dem Gelände ihrer Zeche öffnet bald ein Freizeitpark. Doch neue, adäquate Jobs in der Region zu finden, ist schwierig. Viele fühlen sich als Verlierer des Strukturwandels im Ruhrgebiet. Bei den Ermittlungen tauchen neue Hinweise auf: Gibt es Verbindungen zu extremistischen Kreisen?

Lohnt sich das Einschalten beim Tatort aus Dortmund?

Ein Tatort aus Dortmund, geschrieben von Jürgen Werner, ist immer sehenswert! Die gekränkte Seele des niedergegangenen Kohlenpotts wurde schon oft portraitiert, Faber und sein Team finden einen eigenen Ton. So tief in die Seele des Ruhrgebietes ist auch dieses Team noch nicht eingetaucht. Was ein wenig außen vor bleibt ist die Tatsache, dass der Strukturwandel seit Jahrzehnten recht erfolgreich vorangetrieben wird.

Aber verblasste Bergarbeiter-Romantik hat ja im Umfeld der letzten Zechenschließung gerade Konjunktur. Mit trauriger Musik garniert werden dem Zuschauer die Abgründe der vor dem Nichts stehenden Kumpel gezeigt. Arbeitslos und mit baufälligen Häusern, dank des Bergbaus stehen sie vor den Trümmern ihrer Existenz.

Das alleine hätte für einen starken Tatort mit jeder Menge Lokalkolorit völlig ausgereicht. Doch Faber und Co. stehen im Laufe der Ermittlungen auch noch bei einem Reichsbürger auf der Matte. Da wird dann mit Staatsschutz und V-Leuten ein neues, recht überflüssiges Fass aufgemacht. So hübsch das Aufeinandertreffen von Faber und rechten Wirrköpfen ist, hätte man daraus besser einen eigenen Fall gemacht. Wie üblich beim Tatort Dortmund ist auch die Stimmung im Team zwischen Nora Dalay und Ja Pawlak wieder kurz vorm Explodieren.

Unser Fazit: Großes Kino mit leichten Schwächen. Dass die aktuelle und soziale Relevanz des Themas nicht zu erdrückend wird, dafür sorgt Faber quasi im Alleingang! "Zorn" könnte einer der wichtigsten Tatorte des Jahres werden.

(mit Material von Spot On News)

 > 
Tatort-Blog.de