Tatort Dortmund: Große Erwartungen, voll erfüllt

Tatort Dortmund: Das Team um Kommissar Faber (Jörg Hartmann) steht vor einem Umbruch.

© WDR/Thomas Kost

Tatort Dortmund: Das Team um Kommissar Faber (Jörg Hartmann) steht vor einem Umbruch.

Im Knast stirbt ein Häftling an Tollwut. Wie kam die Krankheit in die JVA?

© WDR/Thomas Kost

Im Knast stirbt ein Häftling an Tollwut. Wie kam die Krankheit in die JVA?

Häftling Nico Rattay (Rick Okon) gibt den Kommissaren Einblicke, was hinter Gittern so abgeht.

© WDR/Thomas Kost

Häftling Nico Rattay (Rick Okon) gibt den Kommissaren Einblicke, was hinter Gittern so abgeht.

Faber findet eine Botschaft, die auf seine getötete Familie anspielt.

© WDR/Thomas Kost

Faber findet eine Botschaft, die auf seine getötete Familie anspielt.

Kommt sie von Markus Graf (Florian Bartolomäi), den Faber hinter dem Unfall vermutet und den er vor drei Jahren in den Knast brachte?

© WDR/Thomas Kost

Kommt sie von Markus Graf (Florian Bartolomäi), den Faber hinter dem Unfall vermutet und den er vor drei Jahren in den Knast brachte?

Während Faber und Graf sich ein weiteres Mal auf höchstem Niveau duellieren...

© WDR/Thomas Kost

Während Faber und Graf sich ein weiteres Mal auf höchstem Niveau duellieren...

...droht in der JVA die Lage außer Kontrolle zu geraten.

© WDR/Thomas Kost

...droht in der JVA die Lage außer Kontrolle zu geraten.
02.02.2018 · von

Ein Dortmund-Tatort, den Jürgen Werner geschrieben hat, kann gar nicht schlecht sein, zeigt die Erfahrung. Und in "Tollwut" inszeniert der geistige Vater und Entwickler von Faber und Co. nicht nur einen kleinen Neuanfang nach dem verheerenden Bombenanschlag und dem Ausstieg von Daniel Kossik im letzten Fall, sondern bewgt sich auch in bekannter Umgebung. Der elfte Fall aus Dortmund spielt größtenteils im Gefängnis, dort schuf Jürgen Werner schon mit dem Kölner Fall "Franziska" ein absolutes Highlight. Die Erwartungen an "Tollwut" sind also groß.

"Auf ewig dein" steht auf dem Briefumschlag, den Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) auf seinem Schreibtisch findet. Wir erinnern uns: In der Folge mit diesem Titel (Februar 2014) lieferte sich der Ermittler ein Psychoduell mit dem Serienmörder Markus Graf (Florian Bartholomäi) und brachte ihn schließlich hinter Gitter. Vor 15 Jahren hatte der Kommissar Grafs Vater, einen Vergewaltiger und Mörder, hinter Gitter gebracht, wo er sich erhängte. Graf wiederum quält den Kommissar mit dessen schlimmster Erinnerung: Dem Tod seiner Frau und Tochter, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen. Doch Faber vermutet noch immer in Graf den wahren Mörder seiner Familie. Nun schickt Graf dem Kommissar eine krude Zeichnung seiner toten Familie.

Quasi nebenbei gibt es auch noch einen Todesfall, in dem das Dortmunder Team ermitteln muss. In einem Gefängnis stirbt ein Häftling an Tollwut, alleine das ist ungewöhnlich und ruft Faber, Martina Bönsich (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel) auf den Plan. Der Tote saß noch dazu seit vier Jahren in Haft, eine Ansteckung ist nahezu unmöglich. Steckt ein Mord dahinter? Als Faber und sein Team mit ihren Ermittlungen beginnen, gibt es ein Wiedersehen mit einem alten Kollegen: Der ehemalige Rechtsmediziner Jonas Zander (Thomas Arnold) arbeitet mittlerweile als Gefängnisarzt und meint zu wissen, wie das Virus hinter Gitter gelangen konnte.

Die Ermittlungen führen Faber in eben jene JVA, in die vor neun Monaten auch Markus Graf verlegt wurde. In dessen Beuteschema passt der aktuelle Fall nun gar nicht. Dennoch bietet er für beide Männer den perfekten Vorwand für ein Wiedersehen.

Duell Faber-Graf steht im Mittelpunkt

Das unbarmherzige "quid pro quo", auf das sich Faber mit Graf einlässt, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Auf der einen Seite der eiskalte Hannibal-Lecter-Verschnitt, auf der anderen der unberechenbare Ermittler, der sich von den meta-psychologischen Provokationen, mit denen Graf am gesunden Weltbild rütteln will ("Ich liebe es, junge Frauen zu töten und zu vergewaltigen. Was ist daran verrückt?"), unbeeindruckt zeigt. Doch Graf hat ganz andere Mittel und Wege, Faber aus der Fassung zu bringen, so sehr wie es kein anderer vermag.

Auch für die Ermittlerkolleginnen Bönisch und Dalay gibt es eine schwierige, emotional aufgeladene Begegnung mit der Vergangenheit, und ganz nebenbei erfährt der Zuschauer auch noch das Schicksal von Stefan Konarskes Figur Daniel Kossik, der in "Sturm" (April 2017) seinen letzten Fall hatte, dessen Überleben darin aber offen blieb. Dazwischen gibt es Spannungen zwischen den Ermittlern, eine drohende Massenpanik im Gefängnis, und dann wäre da ja auch noch ein Fall aufzuklären...

Start der zweiten Staffel "Tatort Dortmund"

Dieser Tatort hat sich viel vorgenommen. Doch die vielen Puzzle-Stücke fügen sich zu einem spannenden Gesamtbild zusammen, die Emotionen kommen beim Zuschauer an, und am Ende hofft man tatsächlich, das Monster Graf nicht zum letzten Mal gesehen zu haben. Nach dem Ausstieg von Stefan Konarske werden außerdem neue lineare Erzählstränge aufgenommen, wir sehen quasi den Start der zweiten Staffel. Regisseur Dror Zahavi und Jürgen Werner gelang mit "Tollwut" (einmal mehr) ein emotional aufgeladener, klamm bebilderter Film, der über 90 Minuten keinen Moment der Langeweile aufkommen lässt. Und wenn Faber und Graf sich wieder gegenüber sitzen, spielt der Tatort seinen größten Trumpf.

(mit Material von Spot On News)

 > 
Tatort-Blog.de