Tatort Dortmund: Eine Ode an Faber

Tatort Dortmund: Faber (Jörg Hartmann) verliert mit seinen Alleingängen auch den Rückhalt von Martina Bönisch (Anna Schudt)

Faber (Jörg Hartmann) verliert mit seinen Alleingängen auch den Rückhalt von Martina Bönisch (Anna Schudt). © WDR/Thomas Kost

10.10.2016 · von Tobias Frauen

Einen Chef wie Faber (Jörg Hartmann) will wohl niemand haben, dennoch steigt die Hochachtung der Tatort-Fans mit jedem neuen Fall aus Dortmund. Ein Typ mit Ecken und Kanten, der sich wohltuend von all den gewöhnlichen Ermittlern mit gewöhnlichen Problemen unterscheidet. Demensprechend steigt auch die Zahl der Faber-Verehrer immer weiter, "Zahltag" brachte es auf 8,36 Millionen Zuschauer und 22,9%. Der Tagessieg, aber etwas weniger als bei den letzten Fällen. Das lag vor allem daran, dass die jüngeren Zuschauer lieber "Fack Ju Göhte" schauen wollten, der Tatort kam zwischen 14 und 49 Jahren nur auf 2,6 Millionen und 19,1%.

In "Zahltag" bekommen wir einen kleinen Einblick in Fabers Psyche, die mehr zeigt als unzählige Psychiater-Besuche. "Wenn ich den Hitlergruß machen muss, damit ein Nazi mit mir redet, dann mache ich den", sagt Faber. "Und ich philosophiere mit einem Pädophilen darüber wie schön es ist, mit einem Kind zu schlafen." Um einen Fall zu lösen, ist ihm jedes Mittel recht. Eine Philosophie, die schon bei Schimanski gut ankam.

Faber ist es egal, wie er nach außen wirkt. Alleine die Hülle aus Drei-Tage-Bart und gammeligem Parka zeigt: Hier lebt jemand in seiner eigenen Welt. Nach dem Verlust seiner Familie brennt Faber nur noch für seinen Beruf, ohne Rücksicht auf Verluste. Und nur deswegen kann er völlig ungeniert Dinge von sich geben, die sich sonst keiner traut. Martina Bönisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel) haben das - zumindest ein Stück weit - erkannt, auch wenn ihr Verständnis immer wieder auf die Probe gestellt wird.

Daniel Kossik (Stefan Konarske) hingegen sieht Fabers Brillanz nicht, und hat auch noch nie dessen subtile Loyalität erfahren. Das Duell Faber gegen Kossik ist deswegen ein erzählerischer Katalysator für das Innere der Figuren - wir sind gespannt, wie das im nächsten Fall zu einem Ende gebracht wird, denn dann ist Schluss für Stefan Konarske.

Twitter verehrt Kommissar Faber

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