Tatort "Bausünden" aus Köln: Nicht nur auf dem Bau wird gesündigt

Tatort Köln: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) in einem Gewirr aus Korruption, Sex und Investoren.

© WDR/Martin Valentin Menke

Tatort Köln: Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) in einem Gewirr aus Korruption, Sex und Investoren.

Eine Hotelangestellte stürzt vom Balkon, doch die Spur führt Ballauf und Schenk...

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Eine Hotelangestellte stürzt vom Balkon, doch die Spur führt Ballauf und Schenk...

...zu einem großen Architekturbüro, dass an den Bauten zur WM 2022 in Katar beteiligt ist.

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...zu einem großen Architekturbüro, dass an den Bauten zur WM 2022 in Katar beteiligt ist.

Schlüsselfigur scheint Lars Baumann (Hanno Koffler) zu sein. Er hatte Kontakt zum Mordopfer und leidet an seinen Afghanistan-Erlebnissen.

© WDR/Martin Valentin Menke

Schlüsselfigur scheint Lars Baumann (Hanno Koffler) zu sein. Er hatte Kontakt zum Mordopfer und leidet an seinen Afghanistan-Erlebnissen.

Eigentlich sollte Baumann in Katar sein, doch er ist auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau.

© WDR/Martin Valentin Menke

Eigentlich sollte Baumann in Katar sein, doch er ist auf der Suche nach seiner verschwundenen Frau.

Welche Rolle spielt Baumanns Ex und Schwägerin Daniela Mertens (Jana Pallaske)?

© WDR/Martin Valentin Menke

Welche Rolle spielt Baumanns Ex und Schwägerin Daniela Mertens (Jana Pallaske)?

Eins ist sicher: Am Ende gibt es mal wieder Wurst für Max und Freddy!

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Eins ist sicher: Am Ende gibt es mal wieder Wurst für Max und Freddy!
19.01.2018 · von Tobias Frauen

Dass die WM-Vergabe an Katar ein Musterstück für die unverfrorene Korruptions-Politik bei der FIFA und anderen Sportverbänden ist, dürfte inzwischen wirklich jedem klar sein. Nette Idee also, das unsägliche Geschachere in einem Tatort zu verwursten - fragt sich nur, wie man das Ganze so weit herunterbricht, dass es in einen 90-Minuten-Krimi mit Lokal-Bezug passt.

Der Tatort "Bausünden" aus Köln macht das zunächst mal ganz geschickt: Über einen vermeintlich unbeteiligten Mordfall kommen Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zu einem Architektur-Büro, dass beim Stadionbau in Katar mitmischt. Wie zu erwarten, haben dort zahlreiche Manager Dreck am Stecken, außerdem steht ein zweites Mordopfer zu befürchten.

Tatort ohne Überblick

So weit, so gut. Doch wer auf einen übersichtlichen, entspannten Krimi hofft, mit dem der Köln-Tatort in den letzten Monaten so häufig punkten konnte, wird enttäuscht. Außer der Bau-Schiene und dem FIFA-Sumpf werden noch die Themen Prostitution, Sadomaso-Spielchen und psychisch labile Kriegsheimkehrer angerissen. So ist es leider kaum möglich, den Überblick zu behalten oder einen Kern der Geschichte zu identifizieren. An diesen unterschiedlichen und irgendwie auch arg konstruierten Nebenschauplätzen versucht sich das Drehbuch abzuarbeiten und tut damit irgendwie niemandem einen Gefallen.

Aber von Anfang an: Die Hotelangestellte Marion Faust wurde zu Hause gewaltsam vom Balkon gestürzt. Ballauf und Schenk finden heraus, dass sie kurz vor ihrem Tod mehrere besorgte Nachrichten auf dem Anrufbeantworter von Daniela Mertens (Jana Pallaske) hinterlassen hatte. Doch die Mitarbeiterin des international renommierten Architekturbüros Könecke & Partner ist derzeit unauffindbar. Könnte ihr Ex-Mann Lars Baumann (Hanno Koffler) etwas mit der Sache zu tun haben?

Als Bauleiter müsste er eigentlich längst zurück in Katar sein, wo Könecke & Partner für die Fußball-WM 2022 baut. Auch er ist angeblich dringend auf der Suche nach seiner Frau. Und offensichtlich hatte es an der Hotelrezeption erst kürzlich einen lauten Streit zwischen ihm und Marion Faust gegeben. Doch als die Kommissare ihn auf dem Präsidium verhören wollen, taucht er unter.

Weniger wäre mehr gewesen

Man hätte sich sowohl die Sadomaso-Geschichte einer verschwundenen Femme fatale sparen können (aber dann hätte man ja auf die schlüpfrige Eröffnungs-Szene verzichten müssen), als auch die Kriegsvergangenheit ihres verzweifelten Ehemannes. Der Hintergrund, dass ein involviertes Architektur-Büro gemeinsame Sache mit der korrupten FIFA macht, liegt hingegen auf der Hand, wird aber leider etwas vernachlässigt. Da hätten die kopfschüttelnden Betroffenheits-Profis Ballauf und Schenk ihre ganze Stärke ausspielen können.

Kopfschütteln gibt es bei "Bausünden" höchstens bei den maximal verwirrten Zuschauern. Die identische Story hätte auch in einem kleineren und damit realistischeren Umfeld funktioniert und hätte mindestens genauso Spaß gemacht. Manchmal ist weniger eben mehr - auch im Tatort.

(mit Material von Spot On News)

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