Tatort aus Wien: Badesee statt Badewanne

Tatort Wien: Wenn nicht mal mehr der Ernstl seine Beziehungen spielen lassen kann, muss etwas sehr faul sein.

Tatort Wien: Wenn nicht mal mehr der Ernstl seine Beziehungen spielen lassen kann, muss etwas sehr faul sein. © ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg

11.01.2019 · von Tobias Frauen

Der neue Fall für Bibi und Moritz ist eigentlich ein alter: Im Wiener Tatort "Wahre Lügen" geht es um einen lange zurückliegenden - und realen - Polit-Skandal. Außerdem wird Jubiläum gefeiert: 20 Jahre Moritz Eisner und 20 Fälle mit Bibi Fellner!

Darum geht's im Wien-Tatort "Wahre Lügen"

Die beiden Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) werden zu einem rätselhaften Mordfall ins Salzkammergut gerufen. Im Wolfgangsee wurde eine weibliche Leiche gefunden. Erschossen und in einem Auto versenkt. Die Tote stellt sich als vermisst gemeldete, deutsche Journalistin heraus, die zuletzt an einer Geschichte über illegale Waffengeschäfte gearbeitet hat.

Eisners und Fellners Recherchen führen die beiden unter anderem zur verzweifelten Lebensgefährtin der Toten, Sybille Wildering (Emily Cox), zu ihrem Informanten, zu ihrem Chefredakteur (Alexander Absenger) und zu einem mysteriösen und auch nach Jahrzehnten noch immer nicht restlos aufgeklärten Todesfall des ehemaligen österreichischen Ministers Lütgendorf.

Bald mischt sich auch die Generaldirektion für Innere Sicherheit - Lukas Kragl (Sebastian Wendelin) und Dr. Maria Digruber (Franziska Hackl) - ein, die offenbar nicht an einer Aufarbeitung dieses alten, politisch unbequemen Falles interessiert ist. Wie sich dennoch herausstellt, haben der historische Kriminalfall und der Mord an der Journalistin tatsächlich etwas miteinander zu tun.

Lohnt sich das Einschalten beim Tatort aus Wien?

Für alle Fans von klassischen Krimis mit Innere-Sicherheit-Thematik und konspirativen Treffen auf der Dachterrasse: Ja, sicher! Wer es gern etwas experimenteller mag, dürfte dagegen ein bisschen enttäuscht sein. Gleiches gilt für diejenigen, die bei den Sonntagskrimis aus Österreich vor allem auch des Wiener Schmähs wegen einschalten. Denn so richtig viel Lokalkolorit ist diesmal außer Landschaftsaufnahmen vom Wolfgangsee im Salzkammergut nicht dabei. Sei's drum. Spannend ist der Fall schon allein deshalb, weil es einen wahren, historischen Hintergrund gibt.

"Der Fall Lütgendorf zu dem die investigative Journalistin recherchiert, ist kein fiktiver, sondern ein reales Ereignis der österreichischen Kriminalgeschichte und Innenpolitik", heißt es vom Sender. "Karl Lütgendorf war von 1971 bis 1977 Verteidigungsminister, musste zurücktreten und starb am 9. Oktober 1981 durch einen Revolverschuss in den Mund. Offiziell gilt der Tod Lütgendorfs als Selbstmord, dennoch gibt es hartnäckige Gerüchte, dass er auf einem Jagdausflug ermordet wurde." Also ungefähr die österreichische Variante des Falles Barschel.

Der Wien-Tatort dreht ja gerne mal das ganz große Rad, in "Wahre Lügen" passt das aber nach dem knallbunten Luden-Märchen aus dem letzten Fall perfekt. Hübsch auch ein paar wenig verschleierte Seitenhiebe: Der schmierige Karriere-Bubi erinnert nicht wenig an den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz, auch die aktuellen politischen Verhältnisse in der Alpen-Republik schimmern durch. Und wenn nicht einmal der Ernstl (Hubert Kramar) seine Beziehungen spielen lassen kann, muss etwas sehr faul sein. Schöne Geschichte, in diesem Tatort unaufgeregt erzählt!

(mit Material von Spot On News)

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