Tagessieg und viel Lob für Tatort aus Stuttgart

Ausflug in die Proll-Siedlung: In "Happy Birthday, Sarah" suchen die Stuttgarter Tatort-Kommissare Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert den Mörder eines Sozialarbeiters.

Ausflug in die Proll-Siedlung: In "Happy Birthday, Sarah" suchen die Stuttgarter Tatort-Kommissare Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert den Mörder eines Sozialarbeiters. © SWR/Stephanie Schweigert

02.12.2013 · von Tobias Frauen

Nicht ganz die zehn Millionen der letzten Woche, dennoch klarer Tagessieg für den Tatort. "Happy Birthday, Sarah" aus Stuttgart lockte 9,34 Millionen Zuschauer vor den Fernseher und hatte damit einen Marktanteil von 26 % (14-49: 3,3 Mio.; 23 %). Sowohl von den Kritikern als auch bei Twitter und Facebook wurde der Tatort am Sonntag fast ausschließlich positiv beurteilt.

Schon in unserem Kreuzverhör hatten wir "Happy Birthday, Sarah" bescheinigt, mit all den umjubelten Hochkarätern locker mithalten zu können. Das spiegeln jetzt auch die Einschaltquoten wider. Mit einfachen Mitteln schafften es Regisseur Oliver Kienle und Autor Wolfgang Stauch, einen wunderbaren Krimi hinzulegen und den Zuschauern einen spannenden Sonntagabend zu bescheren. Keine Kunstgriffe in Sachen Kamera oder Schnitt, keine extravaganten Figuren oder Wendungen, keine aufgepropfte Sozialkritik. Dabei spielt "Happy Birthday, Sarah" in einem mehr als schwierigen Milieu: Ein frühreifes Mädchen mit höchst krimineller Familie, ein zwielichtiger Erbe und Problem-Kids. Und vor allem verzichtete man auf die plumpe Moralkeuler anderer Ermittler: "Danke für den Verzicht auf die Betroffenheitskeule!", findet auch "stern.de".

Andere wären in Gedanken schon bei Günther Jauch

Doch wo andere Kommissare mit schreckgeweiteten Augen umhergelaufen wären und in Gedanken schon anklagend bei Günther Jauch gesessen hätten, besinnen sich die Kommissare vom Tatort Stuttgart auf den eigentlichen Kern des Tatorts: Einen spannenden Kriminalfall. Zugegeben sind die Charaktere von Sarah (Ruby O. Fee) und Möchtegern-Mäzen Schöllhammer (Patrick von Blume) überspitzt, doch der Rest ist nah an der Realität. Besonders hervorstechend: Jungschauspielerin Ruby O. Fee, die die altgedienten Darsteller beeindruckend an die Wand spielte.

Auch, dass diverse falsche Fährten gelegt werden, die am Ende keinen Zusammenhang mit der Lösung finden, ist alles andere als negativ. Dass Sarahs flüchtiger Bruder ins Visier der Ermittler gerät ist ebenso nachvollziehbar wie die Tatsache, dass er nichts mit dem zentralen Fall zu tun hat. Der Stuttgart-Tatort hat hier den Mut, den Strang offen zu lassen, ebenso wie die Frage nach der Zukunft von Schöllhammer. Das ist authentisch und tut dem Krimi-Vergnügen keinen Abbruch. Den Soundtrack aus Rock-Klassikern soll es bald auch als Playlist bei Spotify geben!

Dabei ist es auch zu verzeihen, dass die Ausflüge ins Privatleben des frisch verlassenen Sebastian Bootz (Felix Klare) etwas zu häufig eingestreut waren. Das darf im nächsten Stuttgart-Tatort durchaus wieder mehr in den Hintergrund rücken. Wie Überraschungs-Teams in der Bundesliga stehen die Stuttgarter Ermittler nun unter einem gewissen Erwartungsdruck: Wer es auf die Champions-League-Plätze schafft, muss in der nächsten Saison den starken Eindruck bestätigen. Wir sind gespannt!

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