Stuttgart-Tatort erntet geteilte Kritik - und knackt die zehn Millionen

Im Stuttgart-Tatort "Eine Frage des Gewissens" stehen Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller) vor einer Zerreißprobe.

Im Stuttgart-Tatort "Eine Frage des Gewissens" stehen Sebastian Bootz (Felix Klare) und Thorsten Lannert (Richy Müller) vor einer Zerreißprobe. © SWR/Johannes Krieg

24.11.2014 · von Tobias Frauen

"Stuttgart in die Champions League" hatten wir schon beim vorletzten Tatort aus der Schwaben-Metropole getitelt. Mit dem jüngsten Fall "Eine Frage des Gewissens" hat sich wieder einmal gezeigt, dass gute Tatorte keinen Mega-Hype brauchen. Ein spannender Fall, gute Figuren und hohes Tempo, aber kein hysterischer Zeigefinger - ein weitgehend rundes Krimi-Vergnügen am Sonntag Abend. Das kam auch bei den Zuschauern gut an, denn 10,41 Millionen schalteten ein und bescherten Lannert und Bootz einen Marktanteil von 29,0 % (14-49: 3,27 Mio.; 23,8 %).

Los ging es bei "Eine Frage des Gewissens" mit temporeichen 15 Minuten, bei denen selbst die Befragung der Kommissare nicht langweilig wurde. Bemerkenswert war die Dynamik der Figuren: Der schmierige Anwalt Pflüger (Michael Rotschopf) war moralisch auf der richtige Seite, doch die Sympathien der Zuschauer waren bei den Kommissaren.

Lannert (Richy Müller) erschießt einen offensichtlich durchgeknallten Geiselnehmer, doch Bootz macht die entscheidenden Fehler: Erst entlastet er seinen Partner, dann sucht er auf eigene Faust die labile Zeugin auf, die dann schon fast tot ist. Während Lannert mit seinem Todesschuss einigermaßen gut umgehen kann, verzweifelt der nach seiner Scheidung ohnehin schon angeschlagene Bootz (Felix Klare) beinahe. Doch seine Loyalität zu Lannert stellt er nie in Frage.

 

Dass Lannert am Ende plötzlich entlastet wird, wirkt angesichts der hohen Erzähldichte fast ein wenig unmotiviert. Zumal es einen Beigeschmack hat, dass die Polizisten mit einer falschen Aussage durchkommen. Auch die Tatwaffe, eine Ceska, war von den Drehbuchautoren reichlich unglücklich gewählt, schließlich nutzte auch der NSU solch eine Waffe. Dann bitte weglassen!

Trotz einiger Schwächen und dem hintenraus abnehmenden Tempo kann "Eine Frage des Gewissens" weitgehend überzeugen. Bei Twitter waren die Meinungen gemischt - vor allem, dass ausgerechnet Lannert und Bootz in dem Fall ermitteln durften, der sie selber direkt betrifft, stieß auf Unverständnis.

Die Überfall-Planung per Mail und die sozialen Netzwerke in Stuttgart wurden mit Häme überzogen.

Die besten Tweets zum Stuttgart-Tatort "Eine Frage des Gewissens"

Blöd, wenn ausgerechnet der Fußball-Club aus der Tatort-Stadt kurz vor Filmstart verliert - und dann auch noch am Tabellenende steht.

Dann: Überfall, der irgendwie an den Gladbecker Geiselnehmer Rösler erinnernde Verbrecher stirbt. Lannert und Bootz finden sich im Gericht bei einer Befragung wieder.

Auch wenn Tschirner eigentlich Nora heißt und als Kira Dorn in Weimar ermittelt, wissen wir alle, wer gemeint ist. Vielleicht zu viel Clausthaler getrunken?

Dann drohte Twitter zu implodieren: Wieder mal gab es eine "Wir meinen Facebook, dürfen es aber nicht so nennen"-Webseite, diesmal unter dem Namen "Stutt-Net".

Schließlich ging es im Porsche (!) nach Tübingen, um dort heimlich (!!) ein besetztes Haus (!!!) zu obervieren...

Am Ende variierten die Meinungen stark...von "Super" bis "Fürchterlich" war alles dabei.

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