Spannendes Spektakel in Stuttgart - Bleihaltiger Tatort überzeugt

Gute Quote für die Stuttgarter Kommisssare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) beim Tatort "Spiel auf Zeit".

Gute Quote für die Stuttgarter Kommisssare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) beim Tatort "Spiel auf Zeit". © SWR/Stephanie Schweigert

27.05.2013 · von Tobias Frauen

Viele Kommissare verderben den Tatort? Nein, "Spiel auf Zeit" war auch mit dem angebundenen Online-Spiel eine sehr gelungene und spannende Folge – außer zum Schluss.

Kurz vor Ende möchte man Thorsten Lannert kurz schütteln und ihm ins Gesicht rufen: "Ich habe es doch geahnt!" Im Gewissenskonflikt, ob er seinem alten Bekannten Victor de Man trauen kann oder nicht, hatte Lannert (Richy Müller) zuvor grandios versagt. Der Gentleman-Kriminelle war trotz gegenteiliger Beteuerungen geflüchtet, Lannert und Sebastian Bootz (Felix Klare) standen bedröppelt da.

Die innere Zerrissenheit des Stuttgarter Kommissars, der den Waffenschieber Victor de Man (Filip Peeters) aus seiner Zeit als Undercover-Ermittler kennengelernt und dann hinter Gitter gebracht hatte, war zuvor fast körperlich zu spüren gewesen. De Man wollte helfen, den entflohenen Volker Zahn zu finden und einen Überfall zu verhindern, doch musste er dafür kurzzeitig auf freien Fuß gesetzt werden. Dennoch war "Spiel auf Zeit" kein Psycho-Stück, sondern ein sehr solide und spannend erzählter Krimi.

Einzig der Ton ließ zu wünschen übrig: Viele Telefonstimmen waren kaum zu verstehen, nachträglich bearbeitete Außenaufnahmen waren nicht wirklich lippensynchron und oft klangen die Schauspieler irgendwie dumpf und weit weg. Das ist aber kein alleiniges Phänomen aus Stuttgart. Auch beim letzten Kieler Tatort waren einige Szenen schlecht nachvertont (*grusel*) und beim letzten Tatort aus Luzern war sogar der ganze Film nachträglich synchronisiert (*schrei!*).

Online-Spiel zum Tatort ein voller Erfolg

Zum zweiten Mal gab es zum Tatort ein Online-Spiel, bei dem mitermittelt werden konnte. Beim ersten Versuch 2012 zum Odenthal-Tatort "Der Wald steht schwarz und schweiget" hatten sich knapp 110.000 Spieler beteiligt. Da die Online-Ermittlung aber erst direkt nach der Fernsehausstrahlung des Tatorts begann, brachen die "Tatort+" Server zusammen. Die Spielemacher gelobten Besserung und wollten diesmal die Kapazitäten deutlich erhöhen. Auch startete das Spiel jetzt bereits eine Woche vor der Ausstrahlung und die Spieler konnten zum Beispiel schon vorher herausfinden, wer das Entführungsopfer war. Dank des überwältigenden Ansturms brachen nach dem Tatort am Sonntag die Server trotzdem zusammen. Für den SWR trotzdem ein voller Erfolg, und auch die Einschaltquoten waren mit 10,23 Millionen Zuschauern (Marktanteil 28,4%) Tatort-typisch sehr gut.

Ein kleiner Wermutstropfen war nur das äußerst bleihaltige Finale. Die Idee, an einem idyllischen Bahnübergang in Untertürkheim einen Showdown wie bei Bruce Willis zu inszenieren, hätte man sonst nur dem Hamburger Team mit Nick Tschiller zugetraut. Für so viel verschossene Munition war die Trefferquote dann doch erstaunlich niedrig. Und warum war eine gefühlte halbe Stunde lang der schwebende Hubschrauber im Großbild, der dann zum Schluß doch nicht landet? Apropos Ziel verfehlt: Warum ausgerechnet in diesem sonst so starken Tatort der arme Bootz von seiner Frau abserviert werden musste, bleibt wohl das Geheimnis der Drehbuchautoren. Die Privat-Geschichte wirkte irgendwie losgelöst von der restlichen Handlung und wäre deswegen verzichtbar gewesen.

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