Schimanski 2.0: Der neue Hamburg-Tatort mit Wotan Wilke Möhring im Kreuzverhör

Das zweite neue Tatort-Team in Hamburg: Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring).

Das zweite neue Tatort-Team in Hamburg: Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring). © NDR/Christine Schröder

23.04.2013 · von Tobias Frauen

Nach dem Schwanzvergleich mit Til Schweiger in "Willkommen in Hamburg" darf Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke jetzt seinen eigenen Fall lösen. Mit Auto-Bränden hat der Hamburger Tatort "Feuerteufel" auch gleich ein brisantes Thema zu bieten. Wir klären, wer den Längsten hat.

Worum geht es?

Dass es früher oder später einen Tatort zum Thema Auto-Brände geben wird, überrascht nicht. Auch in Berlin wurden schon mal vermeintlich autonome Brandstifter gesucht. In "Feuerteufel" gibt es aber auf einmal eine weibliche Leiche neben einem ausgebrannten BMW. Während der Witwer an der Seite eines Ronald-Schill-Verschnittes auf eigene Faust nach dem Täter sucht, muss Kommissar Thorsten Falke erst einmal verdauen, dass sein Kumpel und Partner Jan in den Innendienst geht. Die Unterstützung der Juristin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) ist da erstmal nur wenig hilfreich. Die üblichen Annäherungs-Schwierigkeiten des neuen Teams sind zwar etwas aufgesetzt, doch ansonsten ist "Feuerteufel" allerbeste Tatort-Kost.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Zum Glück verzichten die Macher von "Feuerteufel" auf ein soziales Rührstück im Umfeld der Brandstifter. Die realen Bezüge bilden den Hintergrund eines in sich schlüssigen Krimis, der bis zur letzten Minute spannend ist. Als Gegenpart zur hübschen, aber buchstäblich blassen Katharina Lorenz sorgt Thorsten Falke dabei für ein paar leichte Momente: Als Kind von der Straße und entspannter Junggeselle wirkt die Figur von Beginn an sympathisch und rund, ohne es an kriminalistischer Professionalität vermissen zu lassen. Nichts gegen Popcorn-Tschiller, aber Wotan Wilke Möhring ist eindeutig der bessere Schweiger!

Ist die Handlung glaubwürdig?

Durchaus. Brennende Autos gehören in Hamburg leider zur Tagesordnung, und die Geschichte des Tatorts darum herum verzichtet dankenswerterweise auf über-kreative Ideen und konstruierte Zufälle. Dass außerdem ausnahmsweise mal nicht die ganze Welt gerettet werden muss, ist auch mal wieder ganz angenehm.

Einziges – verschmerzbares – Manko: Wie auch in anderen Tatort-Städten wird die geografische Logik gerne über Bord geworfen. Wohl kaum ein Hamburger fährt mitten in der Nacht durch die komplette Stadt ans südliche Elbufer, um sich dort zu betrinken. Auch wenn die Aussicht noch so schön ist.

Bester Auftritt

Schwierig bei einem komplett neuen Tatort-Team, deswegen geht die Krone an den Hauptdarsteller: Wotan Wilke Möhring ist als Kommissar Thorsten Falke nicht nur sympathisch, sondern auch authentisch. Mit ihm würde man anschließend auch gerne ein Feierabend-Bierchen zischen. Und egal ob sein zugemüllter Citroen, der Milch-Fimmel oder die morgendlichen Liegestütze: Thorsten Falke wirkt wie ein Schimanski der Neuzeit.

Was muss man sich merken?

Es gibt diverse Handlungsstränge, die später wieder aufgegriffen werden könnten. Junggeselle Falke hat einen Sohn, zu dem er keinen Kontakt hat, während sein Kumpel Jan gerade eine Familie gründet. Und im Gegensatz zu Falke weiß der Zuschauer nur sehr wenig über die blonde Katharina Lorenz, auch hier gibt es also viel Potential. Das Schöne an "Feuerteufel" ist aber, dass sich keine dieser Fakten unumgänglich aufdrängen. Wir freuen uns jetzt schon auf den nächsten Tatort vom Team Hamburg 2!

Wie greift Günther Jauch den Tatort anschließend auf?

Die Steilvorlage "Autonome Jugendliche zünden Autos an" kann der Talkmaster eigentlich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Außerdem hat er nach der Uli-Hoeneß-Gedächtnis-Veranstaltung in der letzten Woche beim Tatort-Publikum was gut zu machen: Die penetrant eingeblendete Werbung hatte für einige Entrüstung gesorgt. Also darf man sich auf ein Feuerwerk an Pauschal-Meinungen und dem wiederholten Ruf nach mehr Überwachung freuen. Dass im Tatort gerade diese Leute falsch liegen, hat bestimmt niemand bemerkt...

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