"Roomservice": Ein Tatort für die Generation "Derrick"

Das Ludwigshafener Tatort-Team kommt auf keinen grünen Zweig: Auch "Roomservice" wurde bei Twitter und Co. weitgehend verrissen.

Das Ludwigshafener Tatort-Team kommt auf keinen grünen Zweig: Auch "Roomservice" wurde bei Twitter und Co. weitgehend verrissen. © SWR/Alexander Kluge

26.05.2015 · von Tobias Frauen

Natürlich war der Tatort auch gestern wieder der Top-Quotenbringer: 9,63 Millionen bzw. 27,9 % der Zuschauer sahen, wie Lena Odenthal sich an einem Politiker abarbeitete, nur um am Ende festzustellen, dass dessen Frau noch viel skrupelloser ist. Bei den 14-49 Jährigen jedoch schalteten nur 2,54 Millionen ein. Viel anders sieht es bei anderen Ermittlern auch nicht aus, zwei Drittel der Tatort-Zuschauer sind in der Regel 50 oder älter.

Die bekamen mit "Roomservice" aus Ludwigshafen einen Fall zu sehen, der so konservativ war, wie sich die Macher wohl ihre Zielgruppe vorstellen. Es war die Tatort gewordene Überalterung der Gesellschaft. Die angekündigte "High Tech-Ausrüstung" aus dem LKA entpuppte sich als tonnenschwerer Beamer, und wenn Johanna Stern die Erkenntnisse am iPad notdürftig in einer simplen Präsentation zusammenkleistert, wird das kopfschüttelnd mit "Die Ermittlungsmethoden der Zukunft" kommentiert. Genauso denken die betagten Zuschauer - zumindest in der Vorstellung der Autoren. Die Jüngeren schauen eh lieber Netflix.

 

Nicht, dass Odenthal (Ulrike Folkerts) und Kopper (Andreas Hoppe) in den letzten Jahren im Verdacht gestanden hätten, sonderlich fortschrittlich und offen für Neues zu sein. Dass Johanna Stern (Lisa Bitter) - eigentlich eine Figur mit Potential - mit offener Feindseligkeit begrüßt wird, passt da ins Konzept. Dass Stern aber auch fast ausschließlich nervig und streberhaft sein darf, spricht nicht gerade dafür, dass Autoren und Redaktion daran in absehbarer Zeit etwas ändern wollen.

Derrick ist auch irgendwann in Rente gegangen

Der vielzitierte "Jugendwahn" beim Tatort ist bislang an Ludwigshafen nahezu spurlos vorbeigegangen - leider. Damit ist aber nicht das Alter der Schauspieler gemeint, sondern Erzähltechniken, Kameraführung, Plot, Charaktere und deren Handwerkszeug. Kaum ein Schauplatz hätte es so nötig wie dieser. Nur tolle Gast-Schauspieler - wie Suzanne von Borsody und Peter Sattmann in "Roomservice" - machen die Odenthal-Fälle ein klein wenig besser. Der Rest wirkt wie für Leute inszeniert, die noch immer "Derrick" hinterhertrauern. Aber der ist schließlich auch irgendwann in Rente gegangen.

Die besten Tweets zum Tatort "Roomservice" aus Ludwigshafen

Spannende Geschichten, unerwartete Wendungen, kluge Konstruktionen? Nicht in Ludwigshafen. Stattdessen:

Ist das noch eine Karikatur oder schon Verleumdung? Für den "Journalisten" in "Roomservice" hat jemand ohne Ahnung ganz tief in die Klischee-Kiste gegriffen.

Lena Odenthal wird jedenfalls kein Twitter-Liebling mehr.

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