Neuer Tatort aus dem Schwarzwald: Reifezeugnis reloaded

Tatort Schwarzwald: Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans Jochen Wagner) suchen ein vermisstes Mädchen.

Tatort Schwarzwald: Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans Jochen Wagner) suchen ein vermisstes Mädchen. © SWR/Benoit Linder,

08.03.2019 · von Tobias Frauen

Der neue Schwarzwald-Tatort "Für immer und dich" erzählt von einem verbotenen Paar, bei dem der anfängliche Reiz auf beiden Seiten zur Katastrophe wird. In Sachen Erzählung und Bildsprache ein sehr sehenswerter Tatort mit einem großen Vorbild, bei dem eigentlich nur eines stört - das Ermittler-Team.

Worum geht's im Tatort "Für immer und dich"?

Die 16-jährige Emily (Meira Durand) und Endvierziger Martin (Andreas Lust) fahren im Auto durch den Schwarzwald. Als ein Jugendlicher den beiden eine Laptoptasche aus dem Wagen klaut, verfolgt Martin den Dieb auf der kurvigen Landstraße. Kurze Zeit später hat er die Tasche wieder und der Dieb und sein Moped liegen im Abgrund. Der Polizei ist schnell klar, dass es Fremdeinwirkung gab und der Fahrer flüchtig ist.

Kommissar Friedemann Berg (Hans Jochen Wagner) übernimmt die Ermittlungen, während Kollegin Franziska Tobler (Eva Löbau) sich um den schon seit zwei Jahren offenen Fall der verschwundenen Emily Arnold kümmert. Deren Mutter glaubt, ihre Tochter vor kurzem lebend gesehen zu haben. Berg kennt das schon und rechnet mit einer neuen Enttäuschung, doch Tobler geht der Sache akribisch nach. Wenig überraschend handelt es sich bei der Vermissten um die junge Frau aus dem Unfallwagen, die beiden Fälle gehgören also zusammen.

Lohnt sich das Einschalten beim Schwarzwald-Tatort?

Auf jeden Fall! Die Beziehung zwischen dem älteren Mann und dem blutjungen Teenager, um die sich dieser Tatort dreht, ist zweifelsohne pervers - das Mädchen ist zu Beginn 13 Jahre jung. Und doch erzählt der neue Schwarzwald-Krimi die Geschichte nicht einfach nur in Schwarz-Weiß. Die Charaktere sind beeindruckend vielschichtig und die Schauspieler brillieren in ihren Rollen. Die gesamte Inszenierung von Regisseurin Julia von Heinz ist im starken Kontrast zur fatalen Situation der Beteiligten in sonnigen Farben gehalten - es kleben sogar hübsche Blüten aus Kirschgummibärchen an der Autoscheibe. Großes Lob an Drehbuch und Kamera!

Tatort-Fans erkennen natürlich das große Vorbild dieses Filmes: "Natürlich beziehe ich mich auf den Tatort "Reifezeugnis", der 40 Jahre vor uns eine ganz ähnliche Paarkonstellation erzählte. Nur dass ich dieselben Abschiedsworte, mit denen der Lehrer seine Schülerin verließ, nun Emily in den Mund lege", erklärte die Regisseurin dem Sender SWR.

Mit dem hohen Niveau nicht ganz mitahlten können leider die Kommissare. Die Figuren Tobler und Berg sind leider sehr holzschnittartig angelegt und agieren fast immer völlig vorhersehbar. Die arg konstruierte Schwangerschafts-Story lenkt außerdem vom Hauptthema ab. Doch wie schon öfter in letzter Zeit räumt auch dieser Tatort den Verdächtigen mehr Raum ein als den Ermittlern und nimmt häufig deren Perspektive ein. Das ist bei der Thematik teilweise schwer ertragbar, macht den Tatort aber absolut sehenswert!

(mit Material von Spot On News)

 > 
Tatort-Blog.de