Neuer Stuttgart-Tatort "HAL" - 2016: Odyssee im Ländle

Thorsten Lannert und Sebastian Bootz bearbeiten einen Fall, in dem ein neuentwickeltes Sicherheitssystem eine Rolle spielt.

Thorsten Lannert und Sebastian Bootz bearbeiten einen Fall, in dem ein neuentwickeltes Sicherheitssystem eine Rolle spielt. © SWR/Johannes Krieg

25.08.2016 · von Tim Sievers

Im Jahr 1968 drehte Stanley Kubrick seinen Welterfolg "2001: Odyssee im Weltraum". An Bord eines Raumschiffs übernahm der renitente Supercomputer "HAL 9000" das Kommando und trachtete seinem Herrchen nach dem Leben. 48 Jahre später ist die Zukunft nun auch in Stuttgart angekommen. Mea Walsh (Karoline Eichhorn) und Programmierer David Bogmann (Ken Duken) haben mit ihrer Firma "Bluesky" einen lernfähigen Computeralgorithmus entwickelt. Der lernt aber leider so schnell, dass er bald alles besser weiß.

David Bogmann ist gefrustet und bestellt sich zur Ablenkung wie so oft ein Callgirl bei der Agentur "Love Adventure". Dort ist allerdings gerade eines der Mädchen ermordet worden, was die beiden Stuttgarter Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) auf den Plan ruft. Hatte Bogmann etwas mit dem Mord am Callgirl zu tun? Aber nicht nur der Programmierer und seine Firma machen den Hauptkommissaren Sorgen - denn plötzlich schaltet sich auch noch das LKA in die Ermittlungen ein und will die Kontrolle übernehmen.

Für Gesprächsstoff am Montag Morgen ist gesorgt

Der neue Stuttgarter Tatort "HAL" wird für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Wie weit darf technische Überwachung in unseren Alltag eingreifen, um zum Beispiel Terrorgefahren abzuwenden und eventuell schon sehr frühzeitig Gefahren zu erkennen? Und in welchem Maße bleibt dabei unsere persönliche Freiheit auf der Strecke? Wie weit ist die Entwicklung selbstlernender Computerprogramme - der sogenannten "künstlichen Intelligenz" - bereits fortgeschritten? Wäre eine Software wie Bluesky heute schon denkbar? Gut am Stuttgarter Tatort ist, dass das Thema nicht nur oberflächlich angekratzt wird, sondern den Zuschauer volle 90 Minuten lang beschäftigt. Der eigentliche Mordfall gerät da bisweilen in den Hintergrund. Anders als beim Kölner Tatort von letzter Woche, wo das komplexe Thema Steuerdaten-CDs in zwei Halbsätzen abgefrühstückt wurde, setzt sich "HAL" intensiv mit der Materie auseinander.

Gute Story, gute Schauspieler

Die Geschichte von Nikolaus Stein von Kamienski, der auch Regie führte, ist mit Ken Duken als Programmierer David Bogmann und Karoline Eichhorn als seiner Bluesky-Geschäftsführerin Mea Walsh hochkarätig besetzt und beide spielen ihre Rollen glaubwürdig und intensiv. Gut sind auch wieder die beiden Hauptkommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare), die ihre kleinen zwischenmenschlichen Probleme der letzten Folgen überwunden haben. Von Abneigung ist zwischen den beiden nichts mehr zu spüren, auch die privaten Probleme von Sebastian Bootz bleiben in diesem Fall außen vor. Volle Konzentration auf den Fall.

Insgesamt ist der Tatort "HAL" ein sehenswerter Fall, das Einschalten lohnt sich unbedingt. Für technisch weniger versierte Zuschauer wird am Ende allerdings manches Fragezeichen offenbleiben...

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