Ludwigshafen-Tatort "Blackout": Mach mal Pause, Lena!

Lena allein in Ludwigshafen: In "Blackout" stürzt die Kommissarin in eine Lebenskrise.

Lena allein in Ludwigshafen: In "Blackout" stürzt die Kommissarin in eine Lebenskrise. © SWR/Alexander Kluge

27.10.2014 · von Tobias Frauen

Jubiläen sind üblicherweise ein Anlass, zurückzublicken. Ob die Macher des Ludwigshafen-Tatortes wohl bei dieser Gelegenheit gemerkt haben "Hoppla, das war ja gar nicht mal so toll, was wir in den letzten Jahren abgeliefert haben"? Der 60. Odenthal-Tatort "Blackout", der gleichzeitig das 25-jährige Dienstjubiläum bedeutete, war jedenfalls anders. Üblicherweise stolpern Lena und Kopper pflichtgemäß empört durch Ludwigshafen, stellen jede Menge Standard-Fragen und klopfen sich beim abendlichen Pasta-Essen gegenseitig auf die Schulter.

Um diese Tristesse zu durchbrechen, griff man bei "Blackout" zu einem keineswegs neuen, aber effizienten Trick. Kopper (Andreas Hoppe) wurde in den Urlaub geschickt, die Fallanalytikerin Johanna Stern (Lisa Bitter) bekam ihren Auftritt. Damit halten moderne Technik und Ermittlungsmethoden Einzug, die Alt-Kommissare sind darüber natürlich empört. Obendrein schrieb man Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) noch eine saftige Midlife-Crisis ins Drehbuch. Single, kinderlos, im Job zuletzt nur mäßig erfolgreich - da kann man schon mal die Krise kriegen.

 

Die neue Kollegin wiederum kriegt Ehe, kleine Zwillinge, Hospitanz in den USA und Job offenbar spielerisch unter einen Hut. An Johanna Stern scheiden sich nach dem ersten Auftritt die Geister der Tatort-Fans. Die einen freuen sich über frischen Wind, vielen aber geht die noch recht streberhafte Fallanalytiklerin gehörig auf die Nerven. 

Endlich mal frischer Wind - ein bisschen

Weil Kopper ja nicht da ist - der ist zwar in einer ähnlichen Lage wie Lena, hat aber immerhin noch seine Kumpels - öffnet sich die krisengeplagte Lena schließlich einem sexgierigen Barkeeper. Dass die toughe Fassade Odenthals mal bröckelt, ist noch das Beste an diesem ansonsten gewohnt trägen und eintönigen Ludwigshafen-Tatort. Der Mord ist recht banal, die Auflösung wie so häufig arg konstruiert. Macht nix, denn es geht um Lena. Mit ihrer Neuausrichtung und einer etwas profilierteren Johanna Stern könnte es in Zukunft gelingen, die Ludwigshafen-Tatort aus dem Keller zu hieven. Dass das dringend notwendig ist, erkennt offenbar auch Ulrike Folkerts, die sich in einem Interview wünschte, ihre Figur mehr entwickeln zu können und sich auch mal verlieben zu dürfen. Dank der großen Aufmerksamkeit, die Odenthals Jubiläum im Vorfeld erzeugt hat, schalteten satte 10,4 Millionen Zuschauer ein und sorgten für den Tagessieg mit 29% Marktanteil (14-49: 3,24 Mio.; 23,5%).

Und was sagt Twitter?

Erstes Highlight: Der Tote mit einer Champagnerflasche im Hintern führte dazu, dass kurzzeitig der Begriff "Arsch" trendete.

Auftritt Johanna Stern. Und wieder mal die Frage, warum der Tatort immer krampfhaft versucht, das Offensichtliche zu verstecken.

Katze! Lena hat "Katze" gesagt!

Trotz Jubiläum und Lebenskrise: Odenthal ist und bleibt nicht wirklich beliebt.

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