Kreuzverhör: Wie gut ist der Stuttgart-Tatort "Spiel auf Zeit"?

Bei einem blutigen Ausbruch stirbt ein Beamter. Der Stuttgarter Tatort-Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller)...

Bei einem blutigen Ausbruch stirbt ein Beamter. Der Stuttgarter Tatort-Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller)... © SWR/Stephanie Schweigert

23.05.2013 · von Tobias Frauen

Lannert und Bootz bekommen ein verzwicktes Angebot: Der Großkriminelle Victor de Man bietet seine Hilfe an, um einen entkommenen Häftling zu fassen. Allerdings müsste de Man dafür selber vorübergehend freigelassen werden.

Worum geht es?

Victor de Man? Da war doch was! Genau, gegen eben diesen de Man hatte Thorsten Lannert (Richy Müller) einst undercover ermittelt und das Vertrauen des Waffenhändlers gewonnen. Kurz vor der Festnahme allerdings flog Lannerts Tarnung auf, als vor seinen Augen Frau und Tochter tödlich verunglückten, wie wir seit dem Tatort "Tödliche Tarnung" von 2009 wissen.

De Man sitzt in Stammheim ein und macht den Stuttgarter Kommissaren nun ein Angebot: Er hilft ihnen, den flüchtigen Volker Zahn zu finden und will seine Kontakte spielen lassen. Zahn war auf einem Gefangenentransport entkommen und hatte dabei einen Polizisten getötet. Nun befürchtet die Stuttgarter Kripo, dass Zahn und seine Komplizen einen großen Banküberfall planen. Und bis auf Victor de Man haben Lannert und Bootz keine heiße Spur. Doch der Gentleman-Gangster muss dafür kurzzeitig freigelassen werden. Ein nervenzerreibendes Spiel beginnt…

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Ein bisschen "Ocean’s Eleven", ein bisschen Bruce Willis: Dieser Tatort aus Stuttgart will keine Probleme wälzen, sondern einfach nur unterhalten. Das gelingt sehr gut, "Spiel auf Zeit" gehört zu den spannendsten Folgen der letzten Monate! Und Spaß macht es auf jeden Fall, auch wenn lockere Sprüche eher selten sind.

Besonders wenig Spaß hat aber Sebastian Bootz (Felix Klare), der von seiner Frau relativ kalt abserviert wird und sich nun Gedanken um Sorgerecht und Ähnliches machen muss. Warum das aber hier lang und breit erzählt wird, bleibt wohl das Geheimnis der Autoren. Tiefpunkt ist der groteske Besuch beim Nebenbuhler, bei dem man dem Kommissar kurzzeitig die Dienstwaffe doch lieber abnehmen möchte.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Kaum. Macht aber nix, denn der Tatort ist auch so weitgehend gelungen. Spannung garantiert alleine schon die Ausgangssituation und der Konflikt, in dem vor allem Thorsten Lannert steckt. Nur beim Nick-Tschiller-mäßigen Showdown am Ende hatten Autoren und Pyrotechniker etwas zu viel Phantasie.

Bester Auftritt

Eine starke Ensemble-Leistung, bei der keiner wirklich heraussticht. Filip Peeters als Victor de Man spielt den Gangster so glatt und aufgesetzt-charmant, dass man ihn gerne nochmal wiedersehen möchte.

Was muss man sich merken?

Thorsten Lannert wird immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt, scheint aber ganz gut damit zurechtzukommen. Die Verbindung zu Victor de Man ist jedenfalls für weitere interessante Geschichten gut. Und beim frisch verlassenen Sebastian Bootz könnten in den nächsten Tatorten jede Menge Scheidungs-Themen auf der Tagesordnung stehen.

Was hat TatortWatch zu bemängeln?

Wenn ErmittlerInnen sagen "Das nehme ich auf meine Kappe", kann man sich schon denken, dass nicht alles regelkonform abgelaufen ist. Der abenteuerliche Deal zwischen Justiz und dem Gefangenen dürfte bei kleinlichen JuristInnen jedenfalls zu schwerer Schnappatmung führen. Außerdem ist Lannerts Porsche 911 mit H-Kennzeichen wahrscheinlich kein zugelassener Dienstwagen, und gleich mehreren VerdächtigInnen werden die Rechte nicht verlesen. Twitter wird glühen…

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