Kreuzverhör Tatort Saarbrücken: Saarland-Western mit Ladehemmung

"Eine Handvoll Paradies": Neuer Fall für Lisa Marx (Elisabeth Brück) und Jens Stellbrink (Devid Striesow) am Tatort Saarbrücken.

"Eine Handvoll Paradies": Neuer Fall für Lisa Marx (Elisabeth Brück) und Jens Stellbrink (Devid Striesow) am Tatort Saarbrücken. © SR/Manuela Meyer

03.04.2013 · von Tobias Frauen

Nach dem etwas wirren Debüt startet der neue Saarbrücker Kommissar Jens Stellbrink in seinen zweiten Fall "Eine Handvoll Paradies". Wird es jetzt besser? Das klären wir im Kreuzverhör!

Worum geht es?

Regisseur Hannu Salonen möchte die Saarbrücken-Tatorte jeweils im Stil eines bestimmten Genres inszenieren. Während der erste Film "Melinda" wie ein Märchenfilm wirken sollte, ist der neue Tatort "Eine Handvoll Paradies"  an Western-Filme angelehnt. Nette Idee, aber die schwül-triste Optik wirkt teilweise sehr bemüht, und nach spätestens der Hälfte beginnt auch die Mundharmonika-Musik zu nerven. Schade, denn der Fall an sich ist eigentlich ganz spannend: Um den Mord an einem Rocker aufzuklären, nehmen Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück) den  "Motorradfahrer-Verein" (O-Ton Stellbrink) des Toten unter die Lupe. Doch Staatsanwältin Nicole Dubois pfeift ihr Team zurück, denn auch von höherer Stelle hat man die "Dark Dogs" im Auge.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

"Eine Handvoll Paradies" möchte ein skurriler Film ohne ernsthafte Zusammenhänge sein. Der kauzige Stellbrink muss dazu sein Gesicht in merkwürdige Grimassen zwingen, doch seine aufgesetzte Unkonventionalität verliert irgendwann ihren Reiz. Und der penetrante Gag, Stellbrink mit seiner Vespa neben den Harley-Rockern fahren zu lassen, reißt den Film auch nicht wirklich raus.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Nein. Jeder Spaghetti-Western ist realistischer als dieser Saarbrücken-Tatort. Man möchte auch gar nicht wissen, was der saarländische Tourismus-Verband von diesem Krimi hält. Denn abgesehen von ein paar netten Landstraßen scheint das gesamte Bundesland nur aus abbruchreifen Häusern und hässlichen Hallen zu bestehen. Auch das Polizei-Präsidium macht da keine Ausnahme.

Auf besondere Weise unfreiwillig komisch sind die ach so bösen Rocker. Bei den aufgemalten Tattoos sieht man förmlich die Edding-Striche, und die aufgesetzte Härte wird bei Dialogen mit den Worten "Mutti" und "Pullermann" vollkommen absurd. Dass damit aber die organisierte Rocker-Kriminalität verharmlost wird, bereitet Bauchschmerzen.

Bester Auftritt

Gibt es nicht, denn Margot Müller ist erst beim nächsten Saarbrücken-Tatort wieder dabei. Immerhin: Die Staatsanwältin schauspielert minimal besser als bei ihrem Debüt. Aber was ist eigentlich mit Lisa Marx? Die geht leider im Schatten von Stellbrink vollkommen unter. Schade, hoffentlich gibt es beim nächsten Mal mehr von ihr.

Was muss man sich merken?

Falls Lisa Marx mal eine zentralere Rolle spielen sollte, ist vielleicht die Andeutung, dass sie eine der Rocker-Bräute von früher kennt, interessant. Für Spürnasen ist auch in diesem Saarbrücken-Tatort das Kürzel "ACAB" (All Cops Are Bastards) versteckt. In der Story gibt es jedoch keine losen Enden, die aufgegriffen werden könnten. Das ist aber eigentlich auch ganz gut so.

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