Kreuzverhör: Tatort "Puppenspieler" aus Bremen

Tatort "Puppenspieler" aus Bremen: In die Ermittlungen von Inga Lürsen und Nils Stedefreund mischen sich auch Leo Uljanoff (l.) und Sigrid Strange (2.v.l.) ein.

Tatort "Puppenspieler" aus Bremen: In die Ermittlungen von Inga Lürsen und Nils Stedefreund mischen sich auch Leo Uljanoff (l.) und Sigrid Strange (2.v.l.) ein. © Radio Bremen/Jörg Landsberg

22.02.2013 · von Tobias Frauen

Ein neuer Kommissar, eine jugendliche Ausreißerin und ein Richter, der über Leichen geht: Der neue Bremer Tatort "Puppenspieler" hat einiges zu bieten. Zu viel des Guten?

Worum geht’s?

In "Puppenspieler" geht es um den Sinn des Lebens und die Suche danach, die fast alle Protagonisten beschäftigt. Das klingt erst einmal nur mäßig spannend, ist aber in eine gut gemachte, einigermaßen schlüssige und durchaus Tatort-taugliche Geschichte verpackt.

Der jugendliche Ausreißer Ole wird erschossen in einem Abbruchhaus gefunden. Alles deutet daraufhin, dass ein Serienkiller zugeschlagen hat, der seit Jahren in ganz Deutschland aktiv ist. Ole hatte kurz zuvor versucht, Bundesrichter Konrad Bauser (Christoph M. Orth) zu erpressen. Der soll in Bremen über die Vertiefung der Weser entscheiden, hatte sich aber im Hotel beim Sex mit Oles minderjähriger Freundin Mel (Jella Haase) filmen lassen. Bauser setzt eine mysteriöse Spezialeinheit auf seine Erpresser an, deren Chefin Sigrid Strange (Katja Danowski) eiskalt über Leichen geht. Mel ist in Lebensgefahr und muss von Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) versteckt werden. Die haben jedoch gleichzeitig mit sich selbst und dem neuen Kollegen Leo Uljanoff (Antoine Monot Jr.) alle Hände voll zu tun.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Auch wenn am Ende kurz das Stichwort „Döner-Morde“ fällt, ist die politische Dimension doch etwas zu abgehoben, um ernsthaft gesellschaftskritisch zu sein. Spaß und Humor ist nur in leisen Tönen vorhanden, aber das passt ganz wunderbar ins Gesamtbild dieses Tatortes.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Die Geschichte des aalglatten Richters, der sich nach ein paar Gläsern Rotwein mit einer Minderjährigen vergnügt und sich so erpressbar macht, bietet an sich schon Krimi-Potential genug. Die aber bei den Tatort-Machern in letzter Zeit verbreitete Vorliebe für einen zweiten, übergeordneten Zusammenhang ist auch bei „Puppenspieler“ wieder mal eher überflüssig. Die Connection zwischen dem Richter, der Spezialeinheit und BKA-Frau Sigrid Stange wird auch am Ende nicht so ganz klar, auch wenn mit der wiederholten Drohung „Berlin wird beben!“ die hochpolitische Dimension betont wird. Und zwischendurch kommt sogar mal ein bisschen "24"-Feeling auf...

Bester Auftritt

Antoine Monot Jr. als Leo Uljanoff! Er stößt neu zum Bremer Team, weil Nils Stedefreund in einer Sinnkrise steckt. Man weiß nicht so recht, ob man den zotteligen Klops abstoßend oder liebenswürdig finden soll, wie er so ohne jegliche Zurückhaltung mit seinen Mitmenschen umgeht. Auch der Spagat zwischen tollpatschigem Polizei-Clown und ehrgeizigem Ermittler gelingt in „Puppenspieler“ fast perfekt und weckt die Vorfreude auf den nächsten Bremer Tatort. Bitte genau hinschauen, liebe Autoren beim Saarländischen Rundfunk: So führt man neue Figuren ein, ohne die Zuschauer zu verschrecken!

Was muss man sich merken?

Offenbar kommt kein Tatort mehr ohne Sex-Szene der Ermittler aus. In diesem Fall landet Inga Lürsen mit Leo Uljanoff im Bett. Während man als Zuschauer noch erstaunt nach Luft schnappt und auf einen Riesen-Aufriss wartet, trollt sich Uljanoff mit einem „Ich geh dann mal besser…“ von dannen. Das wars, Fortsetzung folgt. Dass Nils Stedefreund für ein paar Monate ins Ausland geht, wird da fast zu Nebensache.

Wie greift Günther Jauch den Tatort anschließend auf?

Döner-Morde! NSU! BKA! Bei diesen Stichworten müsste die Redaktion eigentlich schon heiß laufen. Dass das kaum etwas mit dem Tatort an sich zu tun hat, ist da nicht so wichtig. Nach wochenlanger Kirchen-Thematik kommen dann auch endlich mal wieder alle zum Zuge, die sonntags abends ansonsten nichts zu tun haben. Also die Generalsekretäre der Parteien. Gähn!

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