Kreuzverhör: Tatort Münster goes Schlager

Münster im Schlager-Fieber: Während Boerne (Jan Josef Liefers) und Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) mitgehen, ist Thiel (Axel Prahl) gewohnt muffelig.

Münster im Schlager-Fieber: Während Boerne (Jan Josef Liefers) und Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) mitgehen, ist Thiel (Axel Prahl) gewohnt muffelig. © WDR/Martin Menke

21.03.2013 · von Tim Sievers

Oh - mein - Gott! Roland Kaiser kommt zum Tatort. Das klingt erst mal ähnlich faszinierend wie Eisbein mit Nutella oder offene TBC. Aber wenn der Schlagersänger irgendwo im Tatort-Universum reinpasst, dann bei Kommissar Frank Thiel und dem notorischen Ego-Exzentriker Professor Dr. Karl-Friedrich Boerne aus Münster. Aber auch diese beiden sind anfänglich gar nicht so begeistert vom Schlagerwahn in der westfälischen Provinz.

Worum geht’s?

Im neuen Münster-Tatort "Summ, summ, summ" (24.03.2013 um 20:15 Uhr in der ARD) wird die Journalistin Claudia Schäffer ermordet in einem Müllcontainer aufgefunden. Bei sich trug sie eine VIP-Karte für das Konzert des Schlagerstars Roman König (Roland Kaiser). Unterdessen plagen Thiel und Professor Boerne andere Probleme, denn Boerne hat sich beim Bananenkauf im Großmarkt possierliche kleine blinde Passagiere aus Südamerika in die Wohnung geholt. Haarige, achtbeinige Passagiere. Der Kammerjäger muss kommen und Thiel zieht vorübergehend zu seinem Vater, während Boerne es sich in der Luxus-Suite eines Hotels gutgehen lässt. In diesem Hotel wohnt allerdings auch Roman König und man kommt sich näher. Kommissar Thiel beginnt mit den Ermittlungen zum Tod der Journalistin und schlägt sich bald mit der undurchschaubaren Managerin Ina Armbaum (Ulrike Krumbiegel) und der ominösen Stalkering Christiane Stagge (Fritzi Haberlandt) herum.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Die Frage erübrigt sich beim Blick auf das Ortsschild. Wo Münster drauf steht, werden keine tiefgreifenden sozialen Probleme seziert. Es sei denn, man betrachtet die deutsche Schlagerbewegung als Problem. Nein, hier wird klamaukt wie eh und je und die skurilen Hauptdarsteller und Nebenfiguren geben wieder alles. Vadder Thiel kann die guten alten 68er wieder aufleben lassen und Staatsanwältin Wilhelmine Klemm hat endlich ihr Coming-Out als Schlager-Fanatikerin.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Ach was. Nicht wichtig. Nächster Punkt.

Bester Auftritt

Fangen wir mal so an: richtig blöd hat keiner gespielt. Die Gags von Thiel und Boerne waren vielleicht schon mal knalliger und die Handlung insgesamt schon mal mitreißender. Aber Roland Kaiser hat halt ein neues Album am Start, für das jetzt auf Teufelkommraus Werbung gemacht werden muss. Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) ist bezaubernd süß wie immer, Herbert Thiel macht jetzt auf Imker und fürchtet ständig, dass sein Hasch-Depot von der Polizei gefunden wird. Den besten Auftritt legt aber letztlich Mechthild Großmann als Staatsanwältin Klemm hin (dieses röhrende Brunftgeheul beim Mitsingen der Schlagersongs!). Und auch Roland Kaiser gebührt Respekt dafür, dass er sich für den Tatort so zum Horst macht.

Wie greift Günther Jauch den Tatort anschließend auf?

Diese Woche ist Zypern dran. Garantiert. Da wohnt ja fast keiner, also kann man herrlich lästern ohne dass sich allzu viele beschweren. Vielleicht noch die Russenmafia. Jetzt muss nur noch eine Verbindung zwischen Zypern, Stalkern und Schlagersängern gefunden werden um die Überleitung vom Tatort zum Berliner „Gasometer“ perfekt zu machen. Aber Jauch findet da schon einen eleganten Weg.

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