Kreuzverhör Tatort Kiel: Probleme zu Borowskis Jubiläum

Sarah Brandt (Sibel Kekilli) und Klaus Borowski (Axel Milberg) besuchen Timo Scholz (Bruno Alexander,re.).

Sarah Brandt (Sibel Kekilli) und Klaus Borowski (Axel Milberg) besuchen Timo Scholz (Bruno Alexander,re.). © NDR/Christine Schroeder

27.03.2015 · von Tim Sievers

Jubiläum in Kiel: Hauptkommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) löst seinen 25. Fall. Doch in "Borowski und die Kinder von Gaarden" bleibt keine Zeit zum Feiern, stattdessen müssen sich die Ermittler mit haufenweise Problemen im Kieler Problembezirk Gaarden herumschlagen. In unserem Kreuzverhör klären wir, ob sich das Einschalten lohnt.

Worum geht's?

In einem Kieler Arbeiterbezirk wird der 60-jährige Alkoholiker Onno Steinhaus erschlagen aufgefunden. Steinhaus war wegen Pädophilie vorbestraft und lebte, wie Hauptkommissar Klaus Borowski und seine Kollegin Sarah Brandt schnell herausfinden, völlig isoliert. Ausgerechnet eine Gruppe Kinder jedoch schien bei dem Toten ein- und ausgegangen zu sein. Anscheinend haben sie das Begehren des Toten ausgenutzt, aber – wie sie zumindest behaupten - dessen Wünschen nie entsprochen. Der für den Bezirk zuständige Polizist Thorsten Rausch scheint angesichts der sozialen Verwahrlosung seines Viertels kapituliert zu haben.

Sarah Brandts Ermittlungen bringen ein Video zu Tage, dass einen Jungen – Timo Scholz – in einer verfänglichen Situation mit Onno Steinhaus zeigt. Timo bestreitet, missbraucht worden zu sein. Borowski muss beobachten, dass Sarah Brandt auffällig häufig die Nähe zu dem Polizeikollegen Rausch sucht ...

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

"Regel Nummer eins in Gaarden: Du kannst entweder alles falsch oder ganz falsch machen" fasst Timo Scholz (Bruno Alexander) sein Leben im Kieler Problemviertel zusammen. Mobbing, Gewalt und Armut bestimmen den Alltag der Kinder. Dazu kommt ein desillusionierter Polizist, der längst aufgegeben hat, an den Zuständen noch irgend etwas ändern zu wollen. Stattdessen arrangiert er sich mit der Situation und schaut auch mal weg, wenn sein Einschreiten notwendig gewesen wäre. So lässt er auch zu, dass ein vorbestrafter Pädophiler in seiner Wohnung quasi einen Jugendtreff betreibt und mit den Minderjährigen Pornos schaut.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Die beiden Drehbuchautoren Volker A. Zahn und Eva Zahn verrieten der Zeitung shz, dass sie durch eine tatsächliche Begebenheit auf die Idee für ihre Geschichte gekommen sind. Die Figuren sind natürlich erfunden, doch das soziale Umfeld in Gaarden wird in diesem Film sehr anschaulich dargestellt. Laut den Autoren leben hier rund siebzig Prozent der Kinder unter 15 Jahren in Familien, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Eva Zahn erzählt: "Wir wollten aber von Anfang an kein klassisches Sozialdrama erzählen, sondern auf spannende Weise illustrieren, wie sich Kinderarmut in einem scheinbar wohlhabenden Land wie Deutschland manifestiert. Es geht nicht um einen Mangel an Essen oder Spielsachen, sondern um eklatante Vernachlässigung und Unterversorgung, vor allem emotional und sozial."

Bester Auftritt?

Sibel Kekilli war in ihren ersten Einsätzen am Tatort Kiel stets auf die Rolle des Sidekicks reduziert, der "irgendwas mit Computern" machen konnte. Jetzt, da Klaus Borowski gelernt hat, einigermaßen unfallfrei mit einem Smartphone umzugehen, kann der Figur Sarah Brandt mehr Platz in der Handlung eingeräumt werden. Und das finden wir sehr gut. Sibel Kekilli durfte bislang zu wenig von dem zeigen, was sie draufhat. Das wird sich jetzt hoffentlich auf Dauer ändern.

Was muss man sich merken?

 

Wir erhalten ein wenig mehr Einblick in das Leben von Sarah Brandt. Über ihre Kindheit und Jugend war bislang nichts bekannt, nun verrät sie ein, zwei kleine Geheimnisse. Ob das in späteren Handlungen noch einmal eine Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten.

Soll man gucken?

Es ist nicht Borowskis stärkster Fall, mit Highlights wie "Borowski und der Engel" oder "Borowski und der stille Gast" kann dieser Tatort nicht mithalten. Trotzdem ist es ein spannendes Sozialdrama geworden, dass echte Kiel-Fans auf keinen Fall verpassen dürfen!

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