Kreuzverhör "Schwerelos": Wir wollen Faber zurück!

Tatort "Schwerelos": Nora (Aylin Tezel), Faber (Jörg Hartmann), Bönisch (Anna Schudt) und Daniel (Stefan Konarske) ermitteln wieder in Dortmund.

Tatort "Schwerelos": Nora (Aylin Tezel), Faber (Jörg Hartmann), Bönisch (Anna Schudt) und Daniel (Stefan Konarske) ermitteln wieder in Dortmund. © WDR/Thomas Kost

30.04.2015 · von Tobias Frauen

Der sechste Fall des Dortmunder Tatort-Teams stellt eine kleine Zäsur dar. Erstmals schrieb nicht Jürgen Werner das Drehbuch, der in den bisherigen Fällen die Figuren um Peter Faber brilliant entwickelte und eine übergreifende Handlung konstruierte, die für einen zusätzlichen Spannungsbogen sorgte. "Schwerelos" stammt aus der Feder von Ben Braeunlich, der damit sein Tatort-Debüt gibt. Bleiben die Dortmunder ihrem Stil treu?

Worum geht’s?

Direkt vor der Notaufnahme wird ein schwerverletzter Mann gefunden. Die Ärzte geben ihr Bestes, doch Leo Janek (Florent Raimond) kann nur noch von Maschinen am Leben gehalten werden. Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) machen sich auf die Suche: Was ist mit Janek geschehen? Wer hat ihn vor dem Krankenhaus abgelegt?

Über Janeks Frau Klara (Inez Bjørg David) und Sohn Martin (Mats Hugo) finden die Dortmunder Kommissare heraus, dass Leo leidenschaftlicher Fallschirmspringer war. Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) suchen heimlich den Kontakt zum Rest der Gruppe und merken schnell, dass hier etwas verheimlicht wird.

Nora bändelt mit Fallschirm-Lehrer Jules (Albrecht Schuch) an und findet heraus, dass er es war, der Leo vor dem Krankenhaus abgeliefert hat. Offenbar ist das Opfer bei einem illegalen Base-Jump verunglückt, sein Schirm war manipuliert. War es Klaras Bruder Frank (Constantin von Jascheroff), der Leo viel Geld schuldete? Oder steckt Eifersucht hinter dem Anschlag?

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Wer ist dieser Mann und was hat er mit Peter Faber gemacht? Der Dortmunder Kommissar, der mit triefendem Zynismus und einer sehr unterhaltsamen Ignoranz brillierte, wirkt in "Schwerelos" auf einmal seltsam gezähmt, fast schon entkernt. Sogar der Parka ist kaum noch schmuddelig. Stattdessen sitzt er einfühlsam schwurbelnd im Kinderzimmer und drängt sich dem kleinen Martin als Ersatz-Papa auf. Als pöbelnder Unsympath hat er uns besser gefallen. Ach ja, wenn es den berühmten gesellschaftspolitischen Anspruch gibt, dann höchstens: "Kinder, springt nicht von hohen Gebäuden. Und wenn doch, kontrolliert euren Fallschirm!"

Ist die Handlung glaubwürdig?

Ob nun Dortmund unbedingt als Basejumper-Hochburg durchgeht, sei mal dahingestellt. Dementsprechend wirkt auch der Rest der Handlung ein wenig zurechtkonstruiert, auch wenn keine eklatanten Logik-Fehler auffallen. Die Fallschirmspringer-Thematik sorgt für schöne Bilder und einen Hauch von Abenteuer. Doch wie immer wenn Dinge abseits des Mainstream gezeigt werden, wird der Tatort auch hier zum Erklär-Bär. Und Hand aufs Herz: Wer denkt bei abgestürzten Fallschirmspringern nicht zuerst an gewisse FDP-Politiker? Der Flugplatz im Film ist jedenfalls der Gleiche.

Bester Auftritt

Zuletzt haben wir an dieser Stelle fast immer Jörg Hartmann gehuldigt. Da der aber wie schon beschrieben aus dem Spiel genommen ist, bleibt diese Auszeichnung ausnahmsweise mal frei. Die Fallschirmspringer wirken allesamt ein bisschen zu cool, der Rest des Teams nervt mit Privatkram.

Was muss man sich merken?

 

Dortmund ist bekannt für langfristige Handlungen, nach Fabers Familiengeschichte stehen nun Daniel, Nora und die Abtreibung im Mittelpunkt. Das war aber schon in "Hydra" Thema, inzwischen überlagert das Gezicke der beiden leider allzu oft die eigentliche Handlung. Martina Bönischs private Probleme haben da immerhin den Vorteil, dass sie weitgehend abseits der Handlung stattfinden. Um es mit Fabers Worten zu sagen: "Kindergarten hier, oder was?"

Soll man gucken?

Wir wollen es nicht nur auf den Drehbuchautor abschieben, aber im Gegensatz zu den bisherigen Tatorten aus Dortmund wirkt "Schwerelos" ein wenig gelangweilt, uninspiriert und blutleer. Die Krimihandlung ist nett erdacht, aber das Potenzial der Figuren wird einfach nicht ausgeschöpft. Immerhin verpricht Jörg Hartmann: "Die scheinbare Gesundung Fabers wird schon in den nächsten Folgen kein Thema mehr sein, und das ist auch gut so!" Dem ist nichts hinzuzufügen.

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