Kreuzverhör: Hannover-Tatort "Wegwerfmädchen" im Check

Ein Fundusmitarbeiter erzaehlt Charlotte Lindholm, dass Uwe Koschnik die Schuhe gekauft hat.

Ein Fundusmitarbeiter erzaehlt Charlotte Lindholm, dass Uwe Koschnik die Schuhe gekauft hat. © NDR/Gordon Muehle

04.12.2012 · von Tobias Frauen

Der neue Tatort Hannover führt Kommissarin Charlotte Lindholm in den Abgrund der Zwangprostitution. Auch für die Zuschauer hat "Wegwerfmädchen" einen ganz besonderen Clou zu bieten.

Worum geht’s?

Harte Kost: Eine minderjährige Zwangs-Prostituierte wird tot im Müll gefunden, eine weitere ist auf der Flucht. Es gibt Verbindungen zu den höchsten Kreisen von Hannover und natürlich ins Rotlicht-Milieu. Die Mädchen wurden auf einer sehr exklusiven Party missbraucht und sollten dann „entsorgt“ werden. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) kämpft sich wie üblich mit versteinerter Miene durch den Filz aus Politik und Geldadel. Außerdem hat sie Stress mit ihrem Lover Jan, doch auch der hat etwas mit der mysteriösen Party zu tun. Keine Angst, wenn das Ende etwas unbefriedigend sein sollte: „Wegwerfmädchen“ ist der erste Tatort, der als Zweiteiler angelegt ist. Die Fortsetzung gibt es dann am folgenden Sonntag.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Ein sehr guter Tatort nach dem bewährten Muster „Die gute Kommissarin gegen den Rest der Welt“. Man blickt in menschliche Abgründe und schüttelt den Kopf über die Seilschaften der Elite. Den Bezug zur Realität erkennt man auf den ersten Blick: Die missbrauchten Mädchen wurden mit farbigen Armbändern gekennzeichnet (es werden Erinnerungen an ein großes Versicherungs-Unternehmen wach), und der reichste Mann von Hannover hat sein Geld mit Anlageberatung verdient. Sicherlich keine leichte Kost, aber vor allem die Rocker-Bösewichte aus dem Hannoveraner Rotlicht-Milieu sind so überzeichnet, dass man bisweilen schmunzeln muss.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Dass Hannover zum Synonym für undurchsichtige Machenschaften der Elite geworden ist, nimmt der Tatort „Wegwerfmädchen“ eher unfreiwillig aufs Korn. Man ahnt schon relativ früh, wie die einzelnen Personen zusammenhängen und wie es zu dem Mord gekommen ist. Spannend ist es trotzdem, Kommissarin Lindholm bei der Tätersuche zuzuschauen. Dass sie dabei auch noch eine schwierige Beziehung und ihre Rolle als alleinerziehende Mutter unter einen Hut bekommen muss, lockert den Tatort zwar auf, für die eigentliche Handlung ist es aber vorerst unwichtig. Einzig die ausnahmslose Skrupellosigkeit der reichen Herren verursacht das eine oder andere Fragezeichen beim Zuschauer.

Bester Spruch

„Wo waren Sie gestern Abend? Ich habe Sie im Puff gesehen…“ (Charlotte Lindholm sagt diesen Satz nicht etwa zu einem anerkannten Kriminellen, sondern zum Staatsanwalt)

Was muss man sich merken?

Eigentlich alles. Weil „Wegwerfmädchen“ der erste richtige Tatort-Zweiteiler ist, werden viele Handlungsstränge im zweiten Teil „Das goldene Band“ wieder aufgegriffen. Trotzdem soll auch die andere Hälfte weitgehend selbst erklärend sein, Zuschauer beider Tatorte sind aber klar im Vorteil. Ansonsten macht auch Charlotte Lindholms Privatleben Fortschritte.

Wie greift Günther Jauch den Tatort anschließend auf?

Irgendetwas mit „die da oben“ sollte schon im Titel vorkommen. Auf Basis der Wulff-Affäre lässt sich sicherlich trefflich darüber diskutieren, was die oberen Zehntausend so alles treiben. Und vielleicht hat ja auch noch jemand ein Buch geschrieben, für das Promotion gemacht werden soll.

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