Kreuzverhör "Die chinesische Prinzessin": Boerne unter Mordverdacht

Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) in Schwierigkeiten? Nicht das einzige Problem für Thiel und Boerne in "Die chinesische Prinzessin".

Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) in Schwierigkeiten? Nicht das einzige Problem für Thiel und Boerne in "Die chinesische Prinzessin". © WDR/Thomas Kost

15.10.2013 · von Tobias Frauen

Endlich! Wieder! Münster! Für viele sind Thiel und Boerne die unangefochtenen Stars im Tatort-Universum, auch wenn die letzten Krimis ein wenig platt daherkamen. Wir nehmen "Die chinesische Prinzessin" unter die Lupe!

Worum geht’s?

Während sich Kommissar Thiel (Axel Prahl) gepflegt volllaufen lässt, wandelt Professor Boerne (Jan Josef Liefers) wie auf Wolken. Auf einer Vernissage lernt er die chinesische Künstlerin und politische Aktivistin Songma (Huichi Chiu) kennen. Die exotische Schönheit betört den Professor und verführt ihn mitten in der Münsteraner Rechtsmedizin. Doch am nächsten Morgen ist Songma tot und Boerne wird mit Filmriss und blutigem Skalpell in der Hand neben der Leiche aufgegriffen. Damit ist er der Hauptverdächtige und wandert erstmal in U-Haft, wo er einige "alte Bekannte" trifft, die noch Rechnungen mit ihm offen haben.

Auch Thiel hat einen Filmriss und würde nur allzu gerne wissen, was da genau mit ihm und seiner Assistentin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) passiert ist. Doch erstmal muss er sich verkatert mit schweigenden Chinesen, einer wütenden Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) und unfreundlichen Herren aus Berlin auseinandersetzen. Immerhin ist Boerne deutlich kleinlauter als sonst…

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Für einen Münster-Tatort ist echter Humor in "Die chinesische Prinzessin" rar gesät. Doch auch mit Themen wie der politischen Verfolgung in China wird kein richtiger Problem-Krimi draus. Das ist auch gut so, denn etwas weniger Klamauk steht dem Team sehr gut, ohne sofort bitterernst zu werden. Weil Boerne weitgehend ausgeschaltet ist, ergeben sich außerdem interessante neue Konstellationen. Kein Schenkelklopfer, kein herausragender Tatort, aber absolut sehenswert und sehr unterhaltsam!

Ist die Handlung glaubwürdig?

"Chinesische Mafia und Geheimdienste in Münster…was denn noch? FBI, CDU, GEZ?" Thiel bringt es auf den Punkt: Natürlich wird auch in "Die chinesische Prinzessin" wieder gnadenlos übertrieben und zurechtgesponnen. Macht aber nix, für realitätsnahe Milieustudien sind andere zuständig. Erstmals im Münster-Tatort menschelt es aber, und selbst Boerne zeigt Gefühle. Immerhin sagt er tatsächlich "Frau Haller" statt "Alberich"!

Bester Auftritt

Sie ist schon länger der heimliche Star im Tatort Münster: Friederike Kempter als ewige Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern. Endlich wird der hübschen Assistentin einmal mehr Raum gegeben, den sie grandios ausfüllt. Und auch Kommissar Thiel ist seeeeehr angetan von Nadeshda. Zu sehr?

Was muss man sich merken?

Nach den Klamauk-Tatorten "Das Wunder von Wolbeck" und "Summ, summ, summ" nimmt sich das Münsteraner Team diesmal deutlich zurück. Die – durch Boernes Verstrickung bedingte – etwas veränderte Chemie zwischen den Figuren tut dem Tatort gut! Es wäre schade, wenn Nadeshda wieder ins zweite Glied zurücktreten muss, denn der frische Wind tut auf die Dauer allen gut.

Und sonst so?

Sobald Axel Prahl oder Jan Josef Liefers auch nur das Wort Tatort in den Mund nehmen, horchen alle Krimi-Fans auf. Nach über zehn Jahren und angesichts anstehender Vertragsverhandlungen kokettiert wohl der eine oder andere Darsteller mit einem möglichen Ausstieg. Nachdem Prahl noch vor wenigen Wochen ein Ende des Münster-Tatortes weit von sich gewiesen hat, sagte er in der vergangenen Woche kryptisch im Interview mit einer TV-Zeitschrift, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist. Fast gleichzeitig ließ Jan Josef Liefers via Konkurrenz-Blatt verkünden, dass beim Ausstieg eines Darstellers fürs gesamte Team Schluss sei. Viel Getöse also um die Zukunft von Boerne, Thiel und Co.. Eines ist jedoch klar, wenn man sich "Die chinesische Prinzessin" anschaut: Die Spielfreude ist bei allen noch absolut präsent!

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