Konstanz-Tatort "Todesspiel" im Kreuzverhör: Die reichen Kinder vom Bodensee

Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) müssen zur Leiche, die - wenig überraschend - am Ufer des Bodensees liegt.

Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) müssen zur Leiche, die - wenig überraschend - am Ufer des Bodensees liegt. © SWR/Peter Hollenbach

16.01.2014 · von Tobias Frauen

Der träge im Nebel dahinplätschernde Bodensee ist gegen die entrückt über den Dingen schwebende Klara Blum meistens ein tosendes Meer. Auch dieses Mal gibt es beim Tatort aus Konstanz wenig Aufregendes. "Todesspiel" sind 90 Minuten Entschleunigung, doch im Gegensatz zu den teils hanebüchenen Vorgängern hat dieser Tatort immerhin einige lichte Momente.

Worum geht’s?

Was macht man, wenn jemand aus dem Freundeskreis stirbt? Genau, erstmal eine Runde überteuerten Champagner in der Villa des Verblichenen schlürfen. Für eine Handvoll reicher Schnösel ist das die beste Art, um Benjamin Wolters (Michael Pink) zu trauern. Der "letzte Playboy von Konstanz" wurde erschossen in seiner Villa aufgefunden, an möglichen Motiven für den Mord an dem arroganten Erben herrscht kein Mangel.

Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) schleicht sich in Wolters‘ Clique ein und nimmt dessen vermeintlichen Freunde unter die Lupe: Finanzjongleur Marcus Pracht (Torben Liebrecht), der abgehalfterte Casting-Star Daniel Gabler (Daniel Roesner), Arztgattin Nadine Weiss (Alexandra Finder) und die frisch geschiedene Alisa Adam (Anna Bederke) haben permanent miteinander gefeiert und waren in diversen Konstellationen liiert. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass alle von Benjamin Wolters gedemütigt wurden.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Sollte irgendjemand ernsthaft die Absicht gehabt haben, "Todesspiel" als Portrait einer verkommenen Generation verstanden zu wissen, dann ist das gründlich daneben gegangen. Doch von der Anlage her – begrenzter Personenkreis, viele Motive - hätte dieser Konstanz-Tatort unterhaltsam und spannend werden können. Hätte.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Nein, denn nahezu alle Figuren sind dermaßen grotesk überzeichnet, dass sie besser in eine drittklassige Soap als in einen Tatort passen würden. Bezeichnenderweise haben gleich mehrere Darsteller Soap-Erfahrung. Außerdem gibt es mal wieder diesen einen Handlungsstrang zu viel: Die Schweiz wäre dieses Mal nun wirklich nicht nötig gewesen.

Bester Auftritt

Anna Bederke kennt man von großartigen Vorstellungen in Fatih Akins "Soul Kitchen" oder den Schweighöfer-Filmen "Schlussmacher" und "Frau Ella". In diesem Tatort wirkt sie streckenweise unterfordert - doch nach langem Warten bekommt Bederke zum Ende hin doch noch ihren großen Auftritt.

Was muss man sich merken?

Richtig voran geht es in Konstanz nicht: Perlmann bleibt der ewige Assistent, Klara Blum (Eva Mattes) die zwischen Mütterlichkeit und Hochnäsigkeit schwankende Vorgesetzte. Kein Wunder, dass Perlmann selbst beim Glamour-Undercover-Einsatz noch immer mürrisch dreinblickt. Recht unterhaltsam ist jedoch der Gegensatz zwischen exklusiven Champagner-Orgien am Abend und der beamteten Wurstigkeit, mit der Perlmann anschließend die üppige Spesenrechnung erstattet haben will.

Soll man gucken?

Für Konstanzer Verhältnisse ist "Todesspiel" solide, doch im Vergleich zu anderen Tatorten fallen Blum und Perlmann immer weiter zurück. Dabei ist die Geschichte an sich gar nicht so schlecht, und Autor Leo P. Ard hat einige wirklich gute Szenen eingebaut (etwa die Putzfrau, die schnell die Champagner-Vorräte ihres toten Auftraggebers vernichtet und beim Verhör entsprechend gut aufgelegt ist: "War irgendetwas anders als sonst?" – "Normalerweise liegt der Herr Wolters nicht tot im Wohnzimmer!"). Doch der Tatort Konstanz krankt an seinen Hauptfiguren, allen voran der entrückten Klara Blum. Wer sie und ihre Art nicht leiden kann, der wird auch an "Todesspiel" keine Freude haben.

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