Jubiläums-Tatort aus Kiel siegt deutlich

Ein reichlich dubioser Fall wartet in "Borowski und der Engel" auf Sarah Brandt (Sibel Kekilli) und ihren Kollegen Borowski.

Ein reichlich dubioser Fall wartet in "Borowski und der Engel" auf Sarah Brandt (Sibel Kekilli) und ihren Kollegen Borowski. © NDR/Christine Schröder

30.12.2013 · von Tobias Frauen

Zum zehnjährigen Jubiläum in den Hintergrund treten und jemand anderem die Bühne überlassen - das würde sicherlich nicht jeder tun. In "Borowski und der Engel" aber, der fast genau zehn Jahre nach dem ersten Kiel-Tatort mit Axel Milberg lief, passiert genau das. Hut ab dafür, und vor allem Hut ab vor Lavinia Wilson, die als latent durchgeknallte Altenpflegerin Sabrina Dobisch den Tatort zur One-Woman-Show machte.

Der Lohn dafür: Tagessieg mit 8,73 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 25,2 % (14-49: 2,63 Mio; 20,1%). Damit liegt der Tatort wieder mal unangefochten an der Spitze. Trotzdem dieser Kiel-Tatort kein Mitrate-Krimi war und sich viele Puzzle-Teile erst nach und nach ins Gesamtbild einfügten, war die Resonanz fast ausschließlich positiv. Wie Borowski (Axel Milberg) in seiner Vorlesung eingangs beschreibt, steht die Frage nach dem Motiv zu lügen im Mittelpunkt. Und selbst nach 90 Minuten ist noch immer nicht klar, ob der initiale Tod des jungen Musikers, um den herum Sabrina Doisch ihr Lügen-Gerüst spinnt, beabsichtigt war oder nicht. 

Doch ihre Lügen fallen auf die Altenpflegerin zurück. Wie in den abschließenden Texttafeln mitgeteilt wurde, erhielt sie eine lebenslängliche Haftstrafe für einen Mord, den sie nicht begangen hat. Beim Tod der Unfallverursacherin Doris Ackermann (Leslie Malton) kann man ihr hingegen unterlassene Hilfeleistung vorwerfen - doch davon kriegt die Kieler Polizei gar nichts mit. "Borowski und der Engel" spielt also virtuos mit der Frage nach Lüge und Wahrheit, nach Schuld und Sühne. Dass Borowski - der von sich behauptet, niemals zu lügen - am Ende ebenfalls eine faustdicke Lüge platziert, ist dabei das erzählerische i-Tüpfelchen.

Borowski entwickelt sich immer weiter

Der Mut, mit sperrigen Figuren und ungewöhnlichen Erzähltechniken neue Akzente zu setzen, wird in Kiel nicht immer mit grandiosen Quoten belohnt. Dafür ist dieser skandinavisch nicht nur angehauchte Tatort zu wenig Mainstream, dafür ist Klaus Borowski zu sperrig. Doch auch wenn nicht jeder die Kieler Tatorte mag, sie haben einen eigenen Stil und erfinden sich - im Gegensatz zu einigen anderen Teams - immer wieder neu.

Selbst der alte Grantler Borowski kommt zu seinem zehnjährigen Jubiläum deutlich juveniler und angenehmer daher als zu Beginn seiner Laufbahn. Das bedeutet nicht, dass er seine wesentlichen Eigenschaften eingebüsst hätte. Nein, die neue Kollegin Sarah Brandt alias Sibel Kekilli hat ihn einfach aufblühen lassen, wie Axel Milberg kürzlich selber in einem Interview zugab. Milberg stellte in Aussicht, dass noch viele weitere Borowski-Tatorte folgen sollen - wir freuen uns auf jeden einzelnen!


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