Impro-Tatort aus Ludwigshafen: Wie schlimm wird "Waldlust"?

Tatort Ludwigshafen: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Johanna Stern (Lisa Bitter) und ihr Team fallen erneut auf die Nase.

©SWR/Martin Furch

Tatort Ludwigshafen: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Johanna Stern (Lisa Bitter) und ihr Team fallen erneut auf die Nase.

Nach dem Ausstieg von Kopper machen die Ludwigshafener einen Ausflug in den Schwarzwald - wieder komplett improvisiert.

©SWR/Martin Furch

Nach dem Ausstieg von Kopper machen die Ludwigshafener einen Ausflug in den Schwarzwald - wieder komplett improvisiert.

Warum das Hotel für die Teambuilding-Maßnahme so günstig war, wird schnell klar.

©SWR/Martin Furch

Warum das Hotel für die Teambuilding-Maßnahme so günstig war, wird schnell klar.

Es geschehen merkwürdige Dinge, eine Bewohnerin ist schon vor Jahren spurlos verschwunden.

©SWR/Martin Furch

Es geschehen merkwürdige Dinge, eine Bewohnerin ist schon vor Jahren spurlos verschwunden.

Auch die Dorfpolizisten (Christina Große, Jürgen Maurer) berichten von seltsamen Dingen.

©SWR/Martin Furch

Auch die Dorfpolizisten (Christina Große, Jürgen Maurer) berichten von seltsamen Dingen.
02.03.2018 · von

Kurzer Rückblick, auch wenn es weh tut: Vor etwa einem Jahr lief der Ludwigshafen-Tatort "Babbeldasch" mit einem revolutionären Konzept. Improvisierte Dialoge, Laienschauspieler, Mundart. Das ging gehörig schief. Doch so ganz wollte man sich beim SWR von der Idee wohl nicht verabschieden, denn nun schickt man mit "Waldlust" erneut einen Impro-Tatort ins Rennen. Regisseur Axel Ranisch korrigiert zwar die gröbsten Schnitzer aus seiner ersten Inszenierung, bleibt aber dennoch seiner Linie treu. Was wohl nicht jedem Zuschauer gefallen wird.

Erneut handelt das komplette Geschehen im Prinzip an nur einem einzigen Ort, erneut wird mit Improvisations-Elementen (es gab keine vorgegebenen Dialoge) gearbeitet. Gott sei Dank in diesem Fall wenigstens ohne Laien-Darsteller und Dialekt. Auch wussten die Schauspieler wieder selbst nicht, wer am Ende der Mörder war.

Ein bisschen "Shining" in Ludwigshafen

Im Tatort Nummer Eins nach Kopper geht Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) nun wieder ihren eigenen Weg. Obwohl die übelsten Mobbing-Zeiten zwischen ihr und der neuen Nummer zwei im Team, Johanna Stern (Lisa Bitter) wohl zu Ende sind, schnappt sich die Kommissarin ihr übrig gebliebenes Team und fährt erstmal in den Schwarzwald zum "Team-Building". Von der Außenwelt abgeschnitten, muss sie sich in einem mysteriösen Hotel mit noch mysteriöseren Geschehnissen auseinandersetzen. "Lustvoll-schauerlich für die Ermittler und das Publikum" soll es laut dem verantwortlichen SWR werden. Ob das Kammerspiel-ähnliche Stück dieses Versprechen halten kann?

Schon bei der Ankunft wird klar, warum man das Hotel so günstig bekommen hat: Dessen guten Tage sind definitiv vorbei. Ein Betreiber wirkt ausgesprochen abweisend, die andere dafür überaus beflissen. Eine hauseigene Diva gibt es auch: die als Dauergast durchs Hotel geisternde alte Schauspielerin Lilo Viardot. Zwar lassen sich die Kommissare von den Seltsamkeiten zunächst nicht schrecken. Als sie aber im Abendessen einen menschlichen Knochen finden, ist ihre Neugier geweckt.

Von dem ortsansässigen Polizistenpärchen erfahren sie, dass Hotelbetreiber Humpe wegen Mordes an seiner Schwägerin zwölf Jahre im Gefängnis war. Die Kommissare lassen das Coaching Coaching sein und konzentrieren sich auf die Suche nach Indizien. Hat jemand sie mit Absicht in den Lorenzhof gelockt? Und gibt es tatsächlich einen unaufgeklärten Mordfall? Während draußen ein Schneesturm das Hotel von der Welt abschneidet, ermitteln Odenthal und ihr Team in einem Fall, der immer mysteriöser und gruseliger wird.

Tatort-Experiment abermals misslungen

Gruseliger ist das Stichwort: Auch der zweite Impro-Tatort aus Ludwigshafen ist schlichtweg ein totaler Reinfall. Den am Boden liegenden Odenthal-Tatort mit Alleinstellungsmerkmalen von der Menge abzuheben, ist ja grundsätzlich ein sehr willkommenes Anliegen. Auch Improvisation ist ja erstmal kein schlechter Weg, wo Lena und Co. sich sonst mit mühsam auswändig gelernten hölzernen Textzeilen über die 90 Minuten hangeln mussten. Doch man muss es leider so hart sagen: Es funktioniert nicht, das Ergebnis ist fürchterlich.

"Waldlust" ist ein Krimi, der dank des eindrucksvollen Settings zwar an der ein oder anderen Stelle tatsächlich ein leichtes Schaudern hervorruft, unter dem Strich aber trotz der "Shining"-Parallelen keine Horror- oder Psychothriller-Fans hinter dem Ofen hervor locken wird. Und auch der typische Tatort-Zuschauer wird mit der zwar mutigen, aber eben sehr eigenwilligen Inszenierung so seine liebe Not haben. Nicht nur vor dem Hintergrund der vielen herausragenden Fälle der letzten Wochen ein echter Rückschlag für den Tatort.

(mit Material von Spot On News)

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