"Ihr werdet gerichtet" aus Luzern: Viel Hirn, wenig Masse

Angesägte Projektile, die das Opfer regelrecht zerfetzen: Wenig appetitlichen Anblicke für Ritschard (Delia Mayer) und Flückiger (Stefan Gubser).

Angesägte Projektile, die das Opfer regelrecht zerfetzen: Wenig appetitlichen Anblicke für Ritschard (Delia Mayer) und Flückiger (Stefan Gubser). © ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

07.09.2015 · von Tobias Frauen

Es gab genug Leute, die im Vorfeld des Luzern-Tatortes verkündet haben, sie würden nicht einschalten und ihre Tatort-Sommerpause erst in der nächsten Woche mit dem neuen Fall aus Frankfurt beenden. Einen allzu guten Ruf haben die Schweizer Fälle bekanntlich nicht, daran sind die komplett hanebüchenen ersten Filme mit Flückiger und Ritschard ebenso schuld wie der ambitionierte, aber dennoch kaum überzeugenden Asyl-Fall kurz vor der Sommerpause. Die weitgehend farblosen Kommissare tun dazu ihr Übriges.

Doch als Fazit von "Ihr werdet gerichtet" lässt sich sagen, dass der achte Fall aus Luzern nicht ganz so schwach war die die Vorgänger. Das lag vor allem an Antoine Monot Jr. als Ehemann auf Rachefeldzug, der gut spielte und dem Film ein wenig Tiefe gab. Auch die Quote war ordentlich: 8,96 Millionen Zuschauer und ein Anteil von 26,7% sind zwar weit entfernt von anderen Tatorten, für die Schweiz aber ein neuer Bestwert (14-49: 2,57 Mio.; 20,7%). Ob es der prominente Name war oder doch der Start der neuen Saison?

 

Doch für einen komplett überzeugenden Tatort reicht ein Mann alleine nicht aus. Selbst ein profilierter Mime wie Misel Maticevic kann wenig ausrichten, wenn er wie hier nur das Fragment eines Charakters geben darf, das zudem mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Die eigentlichen Hauptdarsteller, Stefan Gubser als Reto Flückiger und Delia Mayer als Liz Ritschard, verzettelten sich in öden Standard-Szenen aus dem Präsidium und gewollt tiefgründigen Grübeleien ("Irgendwo da unten ist er..."). Gerüchten zufolge stehen Flückiger und Ritschard ohnehin auf der Abschuss-Liste.

Schlagzeilen macht bei "Ihr werdet gerichtet" aber vor allem der Maskenbildner. Zerfetzende Schädeldecken, Wolken aus Blut und überall "Gehirnspratzeln" liefern harte Bilder. Ein Versuch, den Luzern-Tatort mehr Profil zu geben? Aber: Selbst bei Til Schweiger steckt in solchen Baller-Szenen mehr Inhalt und mehr Spannung.

Die besten Twitter-Kommentare zum Luzern-Tatort "Ihr werdet gerichtet"

Letzte Woche noch Lover von Inga Lürsen im Bremen-Tatort, jetzt kaltblütiger Killer in Luzern. Was für eine Karriere für Antoine Monot Jr. Und hängen bleibt doch nur eins: Die Elektromarkt-Werbung...

Doch auch eine schauspielerische Wuchtbrumme wie Monot kann "Ihr werdet gerichtet" nicht wirklich retten. Abgesehen von großzügig verteilter Gehirnmasse hat der Luzern-Tatort kaum etwas zu bieten.

...und am Ende dann doch noch ein Tatort-Rekord für Antoine Monot Jr.. Noch nie zuvor ist jemand innerhalb von einer Woche zweimal gestorben.

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