"Hundstage": Gesoffen, gevögelt, gerülpst und geschwitzt

Ein Toter, dessen Sohn seit Jahren verschwunden ist: Faber (Jörg Hartmann) und sein zerstrittenes Team müssen im Dortmunder Tatort "Hundstage" zwei Fälle lösen.

Ein Toter, dessen Sohn seit Jahren verschwunden ist: Faber (Jörg Hartmann) und sein zerstrittenes Team müssen in "Hundstage" zwei Fälle lösen. © WDR/Wolfgang Ennenbach

01.02.2016 · von Tobias Frauen

Nach tagelanger Hitzewelle in Dortmund ergießt sich plötzlich ein Gewitter über Kommissare und Verdächtige. Just in dem Moment, als final geklärt ist, wer wen beim Morden an wem beobachtet hat, wer wessen Mutter ist, wer wen bezahlt hat. Klar, dass das kein Zufall ist, sondern die etwas platt-symbolische Reinigung der darbenden Eltern-Seelen.

Der Verlust eines Kindes ist das zentrale Motiv im Dortmund-Tatort "Hundstage". Dass alle vier Kommissare hier vorbelastet sind, ist schon immer Thema gewesen. Auch die Protagonisten des Falles haben ähnlich traumatische Erfahrungen: Judith Stiehler (Anne Ratte-Polle) verlor einst ihren Sohn Jonas, worauf sie sich das kurzzeitig unbeaufsichtigte Kind von Eva Dehlens (Maren Eggert) schnappte und als Jonas aufzog. Wenig überraschend, dass Dehlens seither einen Knacks mit sich herumträgt und mehrfach glaubte, ihren Sohn wiederzuerkennen. Dass sie bei "Jonas" (Patrick Mölleken) damit richtig lag und gleich zwei Familien zerstörte, erhöht die Tragik noch einmal.

Es wird gesoffen, gevögelt, gerülpst und geschwitzt

Diese solide Grundstruktur ist wie immer in Dortmund durchwoben mit zahlreichen Ausflügen ins Privatleben der Kommissare. In "Hundstage" wird exzessiv gesoffen, geschwitzt und geschrien, es wird im Auto gerülpst und zumindest versuchsweise gevögelt. Faber (Jörg Hartrmann) hat noch sein "Diszi" am Laufen, Bönisch (Anna Schudt) ist in Sachen Jonas vorbelastet - alles simple, aber hier nicht überstrapazierte Standard-Kniffe. Nur dass Daniel Kossik (Stefan Konarske) ein Alkohol-Problem auf die Leber geschrieben wird, ist des Schlechten zu viel.

Sonst gibt es nicht viel zu meckern: Drehbuchautor Christian Jeltsch gelingt es ganz gut, den Ton von Faber-Erfinder Jürgen Werner zu treffen, auch wenn die Punchlines nicht ganz so zahlreich zu hören waren wie in den besten Dortmunder Episoden. Und Maren Eggert ist einfach Frieda Jung aus Kiel und keine Dortmunder Psycho-Mutti. Dennoch zeigt auch "Hundstage", wie gut ein Tatort sein kann, wenn man den Mut zu ungewöhnlichen Figuren mit Ecken und Kanten hat und - nicht zu vergessen - Autoren und Darsteller diese auch ausfüllen können. Mehr davon! Der Lohn: Ordentliche 9,34 Millionen Zuschauer und ein Anteil von 24% (14-49: 3,24 Mio.; 20,9%).

So war der Tatort "Hundstage" aus Dortmund bei Twitter

Das eh schon gammelige Outfit des Dortmunder Kommissars wurde zu Beginn von einem schwitzigen Trainingsanzug noch einmal veredelt...

Leute, die auf Political Correctness pochen, dürften zusammengezuckt sein, als Faber einen Mann mit Migrations-Hintergrund radebrechend befragte. Aber:

Vier Kommissare mit privaten Problemen plus zwei Familien, das sind viele Schauplätze gleich viele Schnitte. Sehr viele Schnitte.

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