Fast zehn Millionen sehen wirren Abschieds-Tatort aus Berlin

Das wars: In "Großer schwarzer Vogel" hatten die Berliner Tatort-Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) ihren letzten gemeinsamen Einsatz.

Das wars: In "Großer schwarzer Vogel" hatten die Berliner Tatort-Kommissare Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) ihren letzten gemeinsamen Einsatz. © rbb/Conny Klein

10.02.2014 · von Tobias Frauen

Bye bye, Cowboy! Das war es also für den Dominic Raacke alias Till Ritter am Tatort Berlin. Zum Abschluss gab es für "Großer schwarzer Vogel" eine sehr gute Quote, genau 9,99 Millionen Fans schalteten ein, das entspricht einem Anteil von 26,7% (14-49: 3,07 Mio.; 21,2%). Damit ließ der Tatort auch starke Konkurrenz wie "Inception" weit hinter sich, einzig die Olympia-Berichterstattung konnte in die Nähe der Tatort-Quoten kommen. Doch inhaltlich war der letzte Auftritt von Dominic Raacke enttäuschend und für viele zu wirr.

Das von drei Autoren zusammengestrickte Drehbuch (O-Ton ARD: "Idee, Buch und Überarbeitung") hatte zwar viele reizvolle Verwickelungen zu bieten, hinterließ aber ebenso viele offene Fragen. Abgesehen von den Logik-Löchern bremsten die teilweise quälend langen Dialoge und viele sinnlose Bilder den Tatort-Spaß. Und Dominic Raacke blieb in seinem letzten Tatort leider ein großer Auftritt versagt. Auch wenn während der Dreharbeiten noch nicht klar war, dass er so schnell aussteigt - etwas mehr Aktion und weniger Herumstehen und Fragen stellen hätte man ihm gewünscht.

War Till Ritter zu Beginn seiner Tatort-Laufbahn ein Rebell, ein Großstadt-Abenteurer und oft auch ein dickköpfiger Macho, so erlitt Raackes Figur in letzter Zeit immer häufiger das Schicksal vieler langjähriger Ermittler. Die persönlichen Ecken und Kanten sind eine Zeitlang interessant und Teil der Handlung, mit den Jahren verlieren sie jedoch ihren Reiz und lassen die Figur immer flacher werden. Eine größere persönliche Entwicklung hat Ritter - wie so viele andere Kommissare - in über zehn Jahren nicht durchgemacht. Da Darsteller und Umfeld sich aber sehr wohl weiterentwickeln, entsteht früher oder später ein Widerspruch, unter dem die Qualität leidet.

Stark leidet, Ritter bleibt blass

Abgesehen von Perlen wie "Gegen den Kopf" im vergangenen Herbst war der Berliner Tatort in letzter Zeit viel zu häufig sehr beliebig. Blieb Ritters Kollegen Felix Stark (Boris Aljinovic) noch der Part des ewig leidend und betroffen Dreinschauenden, so wirkte Ritter selber ohne Cowboystiefel und Macho-Allüren ziemlich blass. 

So reihte sich "Großer schwarzer Vogel" in die Reihe der letzten Berlin-Tatorte ein. Die Geschichte rund um schwarze Flecken in der Vergangenheit der Figuren war zwar stellenweise ein wenig überfrachtet, doch man verzichtete dankenswerterweise auf einen ideologischen Überbau. Sieht man über den einen oder anderen Logik-Fehler hinweg, war Raackes Abschieds-Tatort eine nette, kleine Kriminal-Geschichte zum Miträtseln - nur ohne Abschied. Der Schlafstörungs-geplagte Ritter machte am Ende einfach Feierabend. Das ist durchaus im Sinne von Dominic Raacke, der zum Zeitpunkt des Drehs noch nichts vom Ende wusste und sich nach den - vermutlich wenig harmonischen - Gesprächen mit dem RBB weiteren Tatort Drehs verweigerte. Im nächsten Tatort aus Berlin wird Aljinovic dann solo ermitteln, bevor die neue Besetzung ihren Dienst antritt. Vielleicht ist dort ja wieder ein rebellischer Großstadt-Cowboy dabei.


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