Düsterer Thriller aus Bremen: Tatort "Er wird töten" im Kreuzverhör

Inga Lürsen (Sabine Postel) geht der Fall im neuen Bremer Tatort "Er wird töten" an die Nieren.

Inga Lürsen (Sabine Postel) geht der Fall im neuen Bremer Tatort "Er wird töten" an die Nieren. © Radio Bremen/Jörg Landsberg

06.06.2013 · von Tobias Frauen

Düsterer Tatort aus Bremen: Inga Lürsen muss den blutigen Mord am Kollegen Leo Uljanoff aufklären, gleichzeitig erscheint eine verwirrte Frau im Präsidium. Lichtblick für die Kommissarin: Nils Stedefreund ist wieder zurück.

Worum geht es?

In zahlreichen tiefgründigen Gesprächen wird klar: Im Tatort "Er wird töten" geht es um Schuld und Loslassen. Fast jeder hat Schuld auf sich geladen und wird mit dem Abschied eines anderen Menschen konfrontiert. Dieser philosophische Überbau ist keine leichte Kost, drängt aber den eigentlichen Kriminalfall keinesfalls in die Ecke. Denn dramatischer geht es kaum: Leo Uljanoff (Antoine Monot Jr.), Ersatz für den in Afghanistan Aufbauhilfe leistenden Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) wird in der Toilette des Polizeipräsidiums Bremen brutal ermordet. Gleichzeitig taucht die verwirrte Marie Schemer (Annika Kuhl) auf, die sich verfolgt fühlt.

Unter dem Schock, ihren Liebhaber Leo verloren zu haben, stürzt sich Inga Lürsen (Sabine Postel) in die Suche nach dem Mörder. Scheinbar hält er sich noch immer im Präsidium auf, denn später wird auch Marie Schemer angegriffen und verletzt. Besteht ein Zusammenhang zwischen Uljanoff und der Ärztin, die vor Jahren ihr Kind verlor? 

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Zu lachen gibt es nicht viel: "Er wird töten" ist ein Thriller der besten Sorte, der vor allem am Anfang extrem spannungsgeladen ist. Auch wenn diese Spannung nicht über die gesamte Länge gehalten werden kann, ist der Tatort aus Bremen absolut sehenswert. Inga Lürsen zwischen Trauer und Wut und Stedefreund, der aus Afghanistan eine schwere Last mitbringt, sind außerdem sehr stark gespielt!

Ist die Handlung glaubwürdig?

Leider kommt vor lauter Spannung hin und wieder die Logik unter die Räder. Auch die Auflösung am Ende steht auf etwas wackligen Füßen, wenngleich man irgendwie geahnt hat, wer der Mörder ist. Wer darüber hinweg sehen kann, wird aber bestens unterhalten!

Bester Auftritt

Ganz klar: Sabine Postel und Oliver Mommsen! So leidend, kantig und mitgenommen hat man das Bremer Tatort-Team schon lange nicht mehr gesehen. Dabei finden beide stets das richtige Maß und versuchen deutlich sichtbar, die Fassade ihrer Figuren aufrecht zu erhalten.

Was muss man sich merken?

Leo Uljanoff, der im letzten Bremer Tatort "Puppenspieler" als Vertretung für Stedefreund für Aufregung gesorgt hat, haucht sein Leben leider auf dem Boden der Präsidiums-Toilette aus. Schade, denn der zottelige Kommissar war eine echte Bereicherung für die Tatort-Landschaft, seine Marotten wirkten dabei immer echt und nie übertrieben oder aufdringlich. Auch Inga Lürsen war äußerst angetan von ihrem neuen Kollegen. Antoine Monot Jr. sollte demnach deutlich öfter auf den Besetzungslisten auftauchen. Außerdem wird sich bei den nächsten Tatorten aus Bremen wohl noch zeigen müssen, ob der zurückgekehrte Stedefreund seine Erfahrungen verarbeiten kann.

Was hat TatortWatch zu bemängeln?

In "Er wird töten" werden deutlich mehr Belehrungen und Rechtsformeln heruntergerasselt als in anderen Tatorten der letzten Zeit. Das mag aber auch daran liegen, dass fast alle Protagonisten umfassende Erfahrungen in Sachen Verhöre und Festnahmen haben. Die Rechts-Wächter sollten also einigermaßen zufrieden sein. Nur die Gedenk-Kerzen auf Leos Schreibtisch dürften wohl kaum der Brandschutz-Verordnung entsprechen.

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