Dritter Franken-Tatort: Freddy, bist Du es?

Tatort Franken: Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) ermitteln in "Am Ende geht man nackt" getrennt. ©BR/Rat Pack Filmproduktion GmbH/Bernd Schuller

06.04.2017 · von Tobias Frauen

Er ist immer noch eine Wundertüte, der Franken-Tatort. Im dritten Fall "Am Ende geht man nackt" zeigt er wieder einmal eine neue Seite. Nach humorvoll und nachdenklich erzählen die Franken nun einen klassischen Problem-Tatort, wie man ihn aus Köln oder Ludwigshafen kennt. Hintergrund ist einmal mehr die Flüchtlings-Problematik, die wiederum neue Aspekte der Figuren zum Vorschein bringt. Ist das gelungen?

Nach den ausgeklügelten Drehbüchern der ersten beiden Fälle wirkt "Am Ende geht man nackt" auf den ersten Blick ziemlich austauschbar. Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft, eine junge Frau kommt dabei ums Leben. Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) sammelt Zeugenaussagen der Flüchtlinge, Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheidt) und Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) hören sich unter den Anwohnern um. Felix Voss (Fabian Hinrichs) hingegen ist gerade erst aus dem Urlaub zurück und schleust sich undercover in die Sammelunterkunft ein. Er freundet sich mit dem jungen Syrer Basem Hemidi (Mohamed Issa) an und bekommt Einblick in die Flucht-Geschichten der Bewohner.

Eigentlich ist egal, wer in diesem Tatort ermittelt

Soweit ein klassischer Problem-Tatort, bei dem es eigentlich egal ist ob nun Freddy und Max, Lena und Kopper oder Ivo und Franz die Ermittlungen leiten. Hier ein wenig Anteilnahme, dort etwas System-Kritik. Die Mechanismen sind die gleichen, seit Jahren im Tatort mehr oder weniger erfolgreich angewendet. Dass genau diese Blaupause die erfolgreichsten Tatorte hervorbringt, ließ sich in den vergangenen Wochen beobachten.

"Am Ende geht man nackt" schwankt dabei zwischen Romantisierung und Dramatisierung. Die Freundschaften von Kommissar Voss als tschetschenischer Flüchtling Erso in der Unterkunft sind ein jugendlicher Kriegswaise, ein fünf Jahre auf seinen Asyl-Bescheid wartender Iraker sowie ein Kinderarzt, der nun Büros putzen muss. Ein einziger Besuch beim Amt löst zumindest einen Teil der Probleme von Voss‘ neuen Freunden. Wenn es doch immer so einfach wäre.

Flüchtling Said (Yasin El Harrouk) hingegen wirkt, als ob er den feuchten Träumen eines AfD-Wählers entsprungen ist. Said hat das Sagen in der Unterkunft, manipuliert, klaut, dealt und begrapscht Frauen. Nicht nur diese Figur wird wieder Kommentatoren und Hetzer vom rechten Rand aus ihren braunen Löchern locken, wie es schon bei den Flüchtlings-Tatorten zu Jahresbeginn zu beobachten war.

Nazis gibt es natürlich auch in dieser Geschichte, ebenso wie einen skrupellosen Investor (Hans Brückner). Wie gewohnt alles mit viel Lokalkolorit in Form von Dialekt (in massentauglicher Dosierung)  und jeder Menge Bilder von Bamberg, wo der Franken-Tatort dieses Mal spielt.

Franken-Tatort muss sich zwischen Wiedererkennung und Vielseitigkeit entscheiden

Nach den gefeierten ersten Fällen verliert sich dieser Franken-Tatort ein wenig zwischen dem großen Thema und der schlichten Umsetzung. Der Schwenk von einem individuellen Ton hin zu einem Standard-Tatort zeigt auf der einen Seite die Vielseitigkeit dieses Schauplatzes, schmälert aber auch den Wiedererkennungswert und könnte die Identität verwässern.

Die Figuren - die energische Paula Ringelhahn und der eher nachdenkliche Felix Voss - werden dennoch immer runder. Gleichzeitig bekommt auch Sebastian Fleischer mehr Raum. Auch die Bildsprache kann überzeugen, Handwerklich also top, erzählerisch darf es beim vierten Tatort aus Franken gerne wieder etwas anspruchsvoller werden.

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