Dortmund-Tatort "Zorn": Good cop, bad cop, drunk cop

Tatort Dortmund: Faber (Jörg Hartmann) agierte in "Zorn" mal wieder mit dem ihm eigenen Charme.

Tatort Dortmund: Faber (Jörg Hartmann) agierte in "Zorn" mal wieder mit dem ihm eigenen Charme. © WDR/Thomas Kost

21.01.2019 · von Tobias Frauen

Das Steiger-Lied war fast das Einzige, was gefehlt hat, zur vollkommenen Bergarbeiter-Romantik. Der Tatort "Zorn" aus Dortmund zelebriert das Gefühl des untergegangenen Ruhrgebietes. Richtig, Vergangenheit, denn der Niedergang ist seit vielen Jahrzehnten im Gang und kein Problem der jüngsten Zeit. Die Protagonisten im Tatort leben indes in vielerlei Hinsicht im Gestern und können sich mit der "neuen Zeit" nicht anfreunden. Verzweiflungstaten paaren sich mit persönlichen Problemen und formen einen vom Plot her nicht wirklich innovativen, aber dennoch sehr gut gemachten Tatort.

Was in Dortmund immer wieder heraussticht, unabhängig vom Krimi-Plot, ist Kommissar Faber (Jörg Hartmann). Der wohl kaputteste Charakter der Tatort-Welt, der Dinge sagt, die sich manch andere nicht mal zu denken wagen würden. Der schon mit Nazis, Kinderschändern und Massenmördern angebandelt hat, um ihnen Geständnisse oder Aussagen zu entlocken. Dessen Getriebenheit immer transparenter wird und dessen nächstes Aufeinandertreffen mit Markus Graf, dem Mörder seiner Familie, bald bevorsteht.

Das restliche Team im Tatort Dortmund konnte im Fall "Zorn" leider nicht so sehr glänzen. Nach den privaten Problemchen zwischen Nora Dalay (Aylin Tezel) und dem entschwundenen Daniel Kossik wirkt der Zwist mit dem neuen Kollegen Jan Pawlak (Rick Okon) etwas zwanghaft, und Martina Bönisch (Anna Schudt) und ihr Guru waren auch eher eine überflüssige Ablenkung. Das brachte einige Längen in die Handlung, die durch die Verquickung von Bergarbeiter-Drama und Reichsbürger-Fantastereien ohnehin etwas schwer zusammenzuhalten war.

Die Resonanz auf den Dortmund-Tatort "Zorn" war wie üblich etwas ambivalent: Während ein Teil mit Fabers Art nicht zurechtkommt, werden Ton und Stil an anderer Stelle gefeiert. Die ganz große Begeisterung blieb wegen der eher traditionellen Story zwar aus, der Tenor war jedoch sehr positiv. Auch die Quoten können sich sehen lassen: Mit 9,22 Millionen Zuschauer und 25,7% Marktanteil gehört der Dortmund-Tatort zur Spitzengruppe!

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Good cop, bad cop, drunk cop

Der eine oder andere Moment mit zumindest ausbaufähiger Logik war dann auch dabei...

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