Dortmund-Tatort "Eine andere Welt" im Kreuzverhör

Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) haben es neben den eigenen Problemen mit einem toten Teenager zu tun.

Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) haben es neben den eigenen Problemen mit einem toten Teenager zu tun. © WDR/Thomas Kost

14.11.2013 · von Tobias Frauen

Der Dortmunder Tatort ist anders. Der psychopathisch angehauchte Kommissar, die frustrierte Kollegin und das Assistenten-Pärchen mit Beziehungsproblemen sind definitiv keine Wohlfühl-Figuren, sondern ecken immer wieder an. Jetzt steht der dritte Fall "Eine andere Welt" an.

Worum geht’s?

Nadine Petzokat (Antonia Lingemann) stammt aus der übelsten Plattenbau-Siedlung, feierte aber trotzdem regelmäßig mit der Dortmunder High Society. Scheinbar hatte Nadine ein Problem mit ihren Wurzeln und wollte sich von ihrer Herkunft lösen. Jetzt wird die 16-Jährige tot aus dem Phoenixsee gezogen. Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) bringen Licht in das Doppelleben des Teenagers.

Peter Faber (Jörg Hartmann) ist indes nur halbherzig am aktuellen Mord interessiert. Er setzt alles daran, den Tod seiner Frau und seiner Tochter aufzuklären und wer ihm regelmäßig Bilder der beiden zukommen lässt. Mit Hilfe seiner neuen Kollegen kommt er dem Geheimnis einen großen Schritt näher.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Die distanzlosen Attacken von Faber sind auch als Zuschauer manchmal nur schwer zu ertragen, aber dafür gibt es auch den einen oder anderen guten Spruch. Und wenn es um seine tote Familie geht, spürt man auch am Bildschirm einen Kloß im Hals – ein Verdienst des brillanten Jörg Hartmann. Darüber hinaus gibt es einen recht simpel gestrickten Fall mit überschaubarem Personal. Geübte Krimi-Fans ahnen zwar schon recht früh, wer Nadine auf dem Gewissen hat, das erspart aber immerhin die sonst übliche plötzliche Wendung am Ende. Weniger ist in diesem Falle wirklich mehr!

Ist die Handlung glaubwürdig?

Nun ja – die Geschichte an sich ist zwar einigermaßen stringent erzählt, wird allerdings streckenweise vor allem durch die Handy-Videos des Opfers getragen. Die Privatgeschichten der Ermittler sind zwar wieder mal recht präsent, aber im Gegensatz zu den sonstigen Ehekrach-Abendessen-Kinder-Themen der anderen Schauplätze gibt es hier immerhin etwas zu erzählen, so dass man neugierig bleibt. Nur der etwas steife Daniel Kossik wirkt hier stellenweise blass - vor allem im Gegensatz zu seinen großartig spielenden Kollegen!

Bester Auftritt

Mal wieder Jörg Hartmann! Auch wenn Peter Faber oftmals als Riesen-Arschloch daherkommt, schafft es Hartmann, dem labilen Kommissar gleichzeitig ein paar Sympathiepunkte mitzugeben. Dabei sind Fabers Ausfälle streckenweise sehr unterhaltsam – man ist nur froh, dass man selbst nicht betroffen ist. Gleichzeitig sind im dritten Fall die ersten Entwicklungen der Figur erkennbar. Wir sind hochgespannt, wie es weitergeht!

Was muss man sich merken?

Der Fall ist abgeschlossen, interessant ist in diesem Tatort ausnahmsweise das Leben der Kommissare. Martina Boenisch bemüht sich, Ordnung in ihre privaten Angelegenheiten zu bringen, und die Affäre der Assistenten Nora Dalay und Daniel Kossik wird trotz Stolpersteinen immer mehr zur festen Beziehung. Besonders intensiv ist aber die Auseinandersetzung von Peter Faber mit dem Tod seiner Familie. Er will nicht an einen Unfall glauben und macht in "Eine andere Welt" einige dramatische Entdeckungen!

Soll man gucken?

Ja! Auch wenn Faber im direkten Vergleich unübersehbare Ähnlichkeiten mit Schimanski aufweist, sind die Dortmunder Kommissare zwischen all den überharmonischen Ermittler-Pärchen eine willkommene Abwechslung. Ansonsten ist der Tatort "Eine andere Welt" fast komplett rund und ohne überflüssige Problematisierung. Nur die wacklige Kameraführung ist bisweilen ein bisschen anstrengend.

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