Dortmund-Tatort: Das Warten hat sich gelohnt

Tatort Dortmund: Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) eilen nach Schüssen in die Innenstadt. © WDR/Frank Dicks

13.04.2017 · von Tobias Frauen

Kommt er oder kommt er nicht? Wie ein ungeliebtes Kind wurde der Dortmunder Tatort "Sturm" hin- und hergeschoben, weil stellenweise die Parallelen zum Lkw-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt allzu offensichtlich waren. Über Sinn und Unsinn derartiger Maßnahmen lässt sich trefflich streiten, doch am Ostermontag ist es nun - trotz der Bombenexplosionen von Dienstag - endlich soweit.

Endlich, weil "Sturm" ein fast rundum gelungener Tatort mit enormer Spannung ist, der viele andere Fälle in den Schatten stellt. Und, wie aus Dortmund gewohnt, sitzt vor allem bei Kommissar Faber (Jörg Hartmann) jede Zeile. In "Sturm" liefert sich der Borderline-Cop ein stets unterhaltsames Duell mit Muhamad Hövermann (Felix Vörtler), der sich samt Sprengstoffgürtel in einer Bank verschanzt hat. Faber, ohnehin ja kein Freund unnötiger Höflichkeiten, steigt zu dem höchst nervösen Attentäter ins Büro und zermürbt den beinahe bemitleidenswerten Bank-Angestellten systematisch.

Unterhaltsam und intensiv: Faber zermürbt den Attentäter

Hövermann ist nur die Marionette einiger Hintermänner und soll mit massenhaften Überweisungen auf IS-Konten den heiligen Krieg finanzieren. Als Druckmittel wurden seine schwangere Frau und seine Tochter von den Islamisten als Geisel genommen. Für sie hat Hövermann einst seine Familie verlassen und war zum Islam konvertiert. Sohn Bernie (Christian Ehrich) hat seitdem nur noch sporadisch Kontakt zu seinem Vater, dessen neu gefundene Frömmigkeit nun von den Erpressern ausgenutzt wurde.

Während Faber in der Bank auf Hövermann einredet, versucht Martina Bönisch (Anna Schudt) Näheres über die Hintergründe herauszufinden. Sie schickt Nora Dalay (Aylin Tezel) zu Hövermanns Sohn, Daniel Kossik (Stefan Konarske) zu Frau und Tochter. Als sich herausstellt, dass es persönliche Verbindungen zwischen den Erpressern und Familie Hövermann gibt, stellt das alle bisherigen Erkenntnisse auf den Kopf.

An Wendungen mangelt es wahrhaftig nicht, doch der Dortmund-Tatort (Buch: Martin Eigler und Sönke Lars Neuwöhner) spielt geschickt mit der Erwartungshaltung der Zuschauer. Das leider schon übliche völkische Stürmchen der Entrüstung bei Twitter, wenn Arabisch oder Koran-Zeilen zu hören sind, wird am Ende herrlich ad Absurdum geführt.

Tatort Dortmund ragt heraus

"Sturm" zeigt außerdem, dass der Dortmund-Tatort auch ohne große Hintergrund-Story um die Ermittler funktioniert. Faber, Bönisch, Dalay und Kossik sind inzwischen so gefestigt, dass sie sich auf den Fall konzentrieren können und trotzdem gute Charaktere bleiben. Vor allem Faber ist nach wie vor die spannendste Figur der Tatort-Welt und wird im nächsten Fall wieder mehr in den Fokus rücken. Ein wenig wird das Verhältnis der Kommissare sich jedoch in Zukunft ändern, aber wir wollen hier nicht zu viel verraten.

Die Aufregung um den Sendeplatz wird diesem Dortmunder Tatort sicherlich nicht schaden, war aber unterm Strich doch etwas übertrieben. "Sturm" ist unabhängig vom Kontext ein herausragender Fall, den wir uneingeschränkt empfehlen können!

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