Dienst nach Vorschrift: Solide Quote für "Narben" aus Köln

Tatort "Narben": Stößt der Leiter des Flüchtlingsheimes (Volker Muthmann) Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) auf ein rassistisches Verbrechen?

Stößt der Leiter des Flüchtlingsheimes (Volker Muthmann) Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) auf ein rassistisches Verbrechen? © WDR/Uwe Stratmann

02.05.2016 · von Tobias Frauen

Ist Routine gut oder schlecht? Im Kölner Tatort "Narben" zeigen die Ermittler, was 20 Jahre Erfahrung in Sachen Mord so bringen: Der Fall wird nach einem perfekt choreografierten Vorgehen angegangen ("Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen?", "Hatte er Feinde?"), verschiedene Optionen werden abgeklopft (Stichwort 21:15-Uhr-Verdächtiger) und am Ende ist der Mörder zumindest identifiziert. Jeder Polizeipräsident würde vor Freude weinen.

Doch ist das auch guter Krimi-Stoff? Bei vielen Zuschauern kam "Narben" sehr gut an, auch die Quoten sind mit 9,2 Millionen und 25,8 % Marktanteil (14-49: 2,83 Mio.; 21,8%) ordentlich. Nach den eher außergewöhnlichen Filmen aus Frankfurt und Weimar freuten sich viele über die abgeklärte Ermittlungs-Arbeit von Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), bei Facebook wurden beide gefeiert.

Doch im Gedächtnis bleibt höchstens das Thema, der Tatort brachte Folter und Verfolgung im Kongo (wieder?) auf die Tagesordnung. Getragen wurde das von tollen Episodendarstellern (Jerry Kwarteng, Thelma Buabeng, Julia Jäger). Ballauf und Schenk waren maximal Requisiten und hatten den aufwühlenden Bildern und Schilderungen nicht mehr entgegenzusetzen als ihre einstudierten Phrasen. Da wäre mit engagierten Ermittlern mehr drin gewesen, Ballauf und Schenk bringt auch kein Folter-Opfer mehr aus der Ruhe. Sie machen Dienst nach Vorschrift, zu dem inzwischen auch ein bisschen gutbürgerliche Empörung gehört. Schade, denn früher waren es genau diese beiden, die Zeichen setzen konnten, siehe "Manila" oder "Blutdiamanten".

So bleibt "Narben" unterm Strich nicht mehr als solide Tatort-Routine, die zwar ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllt, aber krimitechnisch wenig Überraschendes bietet.

Das sagt Twitter zum Tatort "Narben" aus Köln

Der - offensichtlich seltene - Kontakt mit dunkelhäutigen Menschen enthüllt bei sämtlichen Figuren eine kolonialistisch angestaubte Wahrnehmung.

Stichwort Routine: Das ist Ballaufs und Schenk zweiter Vorname.

Erst am Ende wird es ein wenig spannend...mit entsprechenden Auswirkungen?

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