Der Tatort polarisiert - Lanz hat trotzdem keine Chance

Felix Murot taucht im Tatort "Schwindelfrei" in die Welt des Zirkus von Direktor Raxon (Josef Ostendorf) ein.

Felix Murot taucht im Tatort "Schwindelfrei" in die Welt des Zirkus von Direktor Raxon (Josef Ostendorf) ein. © HR/Katrin Denkewitz

09.12.2013 · von Tobias Frauen

War das gestern wirklich ein Tatort? Kein einziges Verhör, kein Polizeiwagen, keine wirkliche Leiche zu sehen... Der etwas sperrige Felix Murot im Tatort "Schwindelfrei" aus Wiesbaden ist eigentlich kein echter Publikumsmagnet, deswegen waren die Quoten-Erwartungen gedämpft. Doch auch trotz des parallel laufenden ZDF-Jahresrückblicks holte der Tatort 9,41 Millionen Zuschauer und einen Anteil von 26,4 % (14-49: 2,67 Mio.; 18,9 %). Das bedeutete den Tagessiegvor zwei Spielfilmen und der gefloppten Lanz-Show.

Doch bei der Kritik und im Internet war die Resonanz auf den Hessen-Tatort extrem gespalten. Neben vielen begeisterten Stimmen gab es jede Menge Zuschauer, die frühzeitig ausschalteten und ihrem Unmut freien Lauf ließen. Neben einigen Logik-Lücken war es vor allem die One-Man-Show des Ulrich Tukur, die nicht bei jedem gut ankam. Doch im Gegensatz zum verkorksten München-Tatort "Aus der Tiefe der Zeit" kam "Schwindelfrei" als Film aus einem Guss daher. In der Welt von Felix Murot (Ulrich Tukur) ist vieles anders, das zeigten schon die ersten beiden Fälle "Wie einst Lilly" und "Das Dorf". Es wird anders erzählt und anders gehandelt - doch es wirkt authentisch und nicht aufgesetzt. Nicht zuletzt der Hirntumor der Hauptfigur (aus deren persönlicher Sicht viele Szenen erzählt werden) sorgte immer wieder für ungewöhnliche Wendungen und Szenen.

Dass der Hirntumor jetzt weg ist, nimmt den Autoren jede Menge Spielraum für Handlung und Fantasie. Damit fällt ein Alleinstellungsmerkmal des Hessen-Tatortes weg. Mit dem unverwechselbaren Ulrich Tukur ist die Gefahr dennoch gering, in der Masse der Kommisssare unterzugehen. Der Tumor wirkte bislang wie eine glaubhafte Ausstiegs-Möglichkeit für den Schauspieler und Musiker. Doch gerade in "Schwindelfrei" fühlte er sich sichtlich wohl und spielte mit großem Spaß. Tukur trägt den Wiesbaden-Tatort, er ist ganz und gar auf ihn ausgerichtet. Damit wird jeder Fall zwar recht speziell, aber eben auch eine gelungene Abwechslung.

Mann muss das Konglomerat aus Tukur, Murot und dem Wiesbaden-Tatort nicht mögen - bei einem Film pro Jahr ist es aber zu verschmerzen. Der nächste Fall "Butterfly - Im Schmerz geboren" läuft im Juni und soll einen neuen Leichen-Rekord aufstellen. Mit einem gut aufgelegten Tukur kann das spannend werden, allerdings ist die Fallhöhe bei diesem Tatort wegen der äußerst spärlich vorhandenen Nebenfiguren sehr hoch.

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