Debüt des Tatort Erfurt knackt die Zehn-Millionen-Marke

Starker Einstand für das Team vom neuen Tatort Erfurt!

Starker Einstand für das Team vom neuen Tatort Erfurt! © MDR/Marcus Goldhahn

04.11.2013 · von Tobias Frauen

Richtungsweisend oder Reinfall? Der neue Erfurt-Tatort wurde rund um die Ausstrahlung wild diskutiert. Den Quoten hat es jedenfalls nicht geschadet: Er knackte die magische Zehn-Millionen-Marke, die sonst fast ausschließlich Til Schweiger und den Münsteranern vorbehalten ist. Insgesamt schalteten 10,32 Millionen Zuschauer die ARD ein, das waren 27,9 % Marktanteil. Doch einige Kritiker hatten "Kalter Engel" vorher verrissen. "Künstlich auf jugendlich getrimmt" und "zynische Zielgruppenranschmeisse" hieß es da. Doch unterm Strich war der Tatort zwar kein herausragender Krimi, aber dennoch sehr sehenswert und unterhaltsam.

Endlich frisches Blut!

Vor allem ist der Erfurt-Tatort nötig. Ein Blick auf die Quoten zeigt: Der typische Tatort-Zuschauer ist 50 Jahre und älter. Von den durchschnittlich acht bis neun Millionen Menschen, die sonntags abends die ARD einschalten, fallen nur rund 30 % in die "werberelevante" Zielgruppe von 14 bis 49 Jahren. So auch bei "Kalter Engel": Bei den jungen Zuschauern kam der Tatort mit 3,18 Millionen Zuschauern und 21,4 % nur auf dem zweiten Platz hinter "Harry Potter". Vor diesem Hintergrund passen Fans und Kommissare gut zusammen, den das Durchschnittsalter der derzeit aktiven Ermittler beträgt ziemlich genau 50 Jahre. Die neuen Erfurter sind da nicht mitgerechnet.

Umso besser, dass in Erfurt jetzt ein junges Team am Start ist. Auch wenn es entgegen der MDR-Lobpreisung nicht das "jüngste Team aller Zeiten" ist - Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal zum Beispiel war bei ihrem Dienstantritt noch jünger - den frischen Wind hat der Tatort mehr als nötig. Auch wenn es immer hipper wird, Tatort-Fan zu sein, fehlt noch eine breite Fan-Basis unter jüngeren Leuten.

Auch wenn der MDR diese Verjüngung streckenweise ein wenig plump und plakativ demonstriert, ist es der richtige Schritt. Und wenn die Autoren merken, dass man Jugendlichkeit auch ohne den inflationären Gebrauch von "Krass", "Alter" und Energy-Drinks zeigen kann, wird der Erfurt-Tatort richtig gut. Mit den ewig gleich trägen Frage-und-Antwort-Spielchen und aufgesetzter Empörung, wie es Lena Odenthal in Ludwigshafen oder Klara Blum in Konstanz seit Jahren machen, gewinnt der Tatort keine neuen Fans.

Trotz Schwächen ein guter Start

Dann schon lieber einen Til Schweiger, der einen Hauch Hollywood in die Reihe bringt. Oder einen Christian Ulmen, der seinen natürlichen Humor und seine Kreativität im Gepäck hat. Oder eben ein frisches Team von talentierten, unverbrauchten Schauspielern, wie jetzt in Erfurt. Henry Funck (Friedrich Mücke), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Johanna Grewel (Alina Levshin) sind eine neue Generation. Eine, die ganz selbstverständlich mit Smartphone hantiert und online recherchiert, ohne dass es groß thematisiert werden muss. Das muss nicht jedem gefallen, aber die Vielfalt der verschiedenen Teams ist eben einer der Faktoren, die den Reiz des Tatortes ausmachen.

Unbestritten hatte "Kalter Engel" stellenweise einige Schwächen, Dialoge und Figuren kamen streckenweise etwas hölzern und plat rüber. Doch im direkten Kontrast zum überkandidelten Kunst-Tatort, der in der letzten Woche aus München kam, ist auch dieser erste Fall des neuen Teams ein sehr sehenswerter Krimi. Das war auch der Tenor bei Twitter. Nicht jeder mochte die Aufmachung und die Sprüche des Trios, und auch der eine oder andere Logik-Fehler wurde hämisch kommentiert. Doch unterm Strich war das Fazit bei vielen Usern positiv!

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