Buchvorstellung: "Schauplatz Tatort – Die Architektur, der Film und der Tod"

Der Münchener Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl schrieb mit drei anderen Autoren das Buch "Schauplatz Tatort - Die Architektur, der Film und der Tod".

Der Münchener Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl schrieb mit drei anderen Autoren das Buch "Schauplatz Tatort - Die Architektur, der Film und der Tod". © Bernhard Haselbeck

31.10.2013 · von Tobias Frauen

Dass gerade der Münchener Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl sich an dem Buch über Architektur im Tatort beteiligt hat, ist sicherlich kein Zufall. Immer wieder steht das Thema Bauen und Wohnen in den Krimis des BR im Mittelpunkt, so etwa in "Der Traum von der Au" (2007), "Das Glockenbachgeheimnis" (1999) oder zuletzt im arg umstrittenen "Aus der Tiefe der Zeit". In der Folge "Im freien Fall" (2001) gibt sich Franz Leitmayr sogar als Architekt aus, um der Lösung des Falles näher zu kommen. Wie wichtig die Rolle von Gebäuden und Bauwerken für die Handlung ist, legt Wachtveitl in einem Essay dar: "Architekten schaffen künstliche Welten – wie Filme."

Aber keine Angst, weite Strecken des Buches "Schauplatz Tatort – Die Architektur, der Film und der Tod" von Wachtveitl, Alexander Gutzmer, Guido Walter und Oliver Elser sind deutlich weniger Theorie-lastig. Sowohl in die Privaträume der Ermittler-Figuren als auch in die realen Gebäude, die dem Tatort als Kulisse dienen, wird ein Blick geworfen. Für echte Tatort-Fans bringt die anfängliche Vorstellung der aktuellen Teams trotz liebevoller Grafiken nicht viel Neues, zum Einstieg ins Thema ist die Zusammenfassung der jeweiligen Lebensumstände aber gerade recht. Kleiner Wermutstropfen: Die Aufstellung ist zwar auf dem neuesten Stand, aber der zweite Hamburger Kommissar Thorsten Falke alias Wotan Wilke Möhring fehlt leider.

Bibliothek wird Firmensitz

Interessant wird es dort, wo bekannte Tatort-Gebäude vorgestellt werden.  Der Firmensitz aus dem Münster-Tatort "Herrenabend"? Eigentlich eine kirchliche Bibliothek! Der Glaspalast, der im Hannoveraner Tatort als Polizei-Präsidium dient? Im echten Leben die Zentrale der Norddeutschen Landesbank! Auch die Kapitel "Wo im Tatort getötet wird" und die Vorstellung einiger ausgewählter Städte bringen mit kurzen, knackigen Texten neue Einblicke. Ein wenig lieblos hingegen wirken die stichpunktartigen Gegenüberstellungen von Nick Tschiller und Horst Schimanski (x-Mal abgehandelt) sowie Inga Lürsen und Charlotte Sänger (die bekanntlich seit vielen Jahren keine Kommissarin mehr ist).

Dazwischen eingestreut dürfen Mehmet Kurtulus (ehemals Hamburg), Stefan Konarske (Dortmund), Andreas Hoppe (Ludwigshafen) und Adele Neuhauser (Wien) jeweils zehn Fragen zu den Schauplätzen ihrer Tatorte beantworten. Interviews mit Regisseur Dominik Graf, Knast-Arzt Joe Bausch und Kulturwissenschaftler Norbert Bolz sind spannend zu lesen, haben aber nur noch bedingt etwas mit dem Thema Architektur zu tun. Für die allermeisten Leser tut das aber nicht viel zur Sache, denn dort gibt es seltene Einblicke in das Universum Tatort. So wird auch das sogenannte "Tatort-Haus" in Baden-Baden vorgestellt, in dem Szenen für die SWR-Tatorte aus Stuttgart, Konstanz und Ludwigshafen gedreht werden.

Die Augen aus dem Tatort-Vorspann

Weiteres Highlight des Buches ist ein Portrait von Horst Lettenmayer. Horst wer? Lettenmayer ist der Einzige, der in allen bislang fast 900 Tatorten zu sehen war, denn ihm gehören die Augen und rennenden Beine im Vorspann. Die berühmten Bilder und die Umstände, unter denen der Vorspann entstand, sind ein Stück TV-Geschichte!

Wer auf das Wort "Architektur" im Titel nicht allzu viel Wert legt, bekommt mit "Schauplatz Tatort" ein gelungenes Werk mit vielen Hintergründen und Einblicken in die Tatort-Welt. Highlights sind die verstreut zu findenden Details aus der Produktion, wie etwa Skizzen der Szenenbilder oder Modelle der Sets. Das Buch erhebt keinen Anspruch darauf, ein allumfassendes Werk zum Tatort zu sein, sondern pickt sich einzelne Aspekte zur genaueren Betrachtung heraus. Auch wenn die Aufmachung ein bisschen altbacken wirkt, ist "Schauplatz Tatort – Die Architektur, der Film und der Tod" weitgehend aktuell. Für Architektur-Fachleute vielleicht bisschen oberflächlich, für alle anderen Tatort-Fans aber ein spannendes und immer wieder überraschendes Buch zum Stöbern!

Udo Wachtveitl, Alexander Gutzmer, Guido Walter und Oliver Elser: "Schauplatz Tatort – Die Architektur, der Film und der Tod" umfasst 192 Seiten mit 230 Bildern, ist im Callwey Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro. Hier bei Amazon bestellen!

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