Bremen-Tatort: Da kotzt sogar der Pathologe

Tatort Bremen: Stedefreund (Oliver Mommsen) ist fassungslos von der Brutalität der Morde.

Tatort Bremen: Stedefreund (Oliver Mommsen) ist fassungslos von der Brutalität der Morde. © Radio Bremen

13.03.2017 · von Tobias Frauen

Heute Morgen alle gut zur Arbeit gekommen? Falls jemand etwas nervös nach schwarzen BMWs Ausschau gehalten hat, kann man ihr oder ihm das nach dem Tatort gestern sicherlich nicht verübeln. Die Bremer haben gute Chancen, die wohl brutalste Todesart des Jahres gezeigt zu haben. Genüsslich wird in "Nachtsicht" ausgebreitet, wie die jungen Männer auf Bremens Straßen zu Tode gekommen sind. Stichwort Stoßstange, Dorn, Sichtfenster.

Wer am Steuer des liebevoll umgebauten Todes-Mobils saß, ist relativ früh klar. Doch der Tatort streut bis zum Ende leise Zweifel an der Schuld von Kristian Friedland (Moritz Führmann). War es vielleicht doch Helikopter-Papi (Rainer Bock), der sich für den Verkehrsunfall seiner Frau (Angela Roy) rächen will? Oder hat vielleicht Friedlands rollstuhlfahrende Partnerin (Natalia Belitski) etwas damit zu tun? Doch der Tatort-Mechanismus, dass es am Ende eine eher beiläufig eingeführte Nebenfigur dem zentralen Verdächtigen den Rang abläuft, griff erfrischenderweise dieses Mal nicht.

Die Bremer Tatort-Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) lösen den Fall mit einer energischen Wut über die Hilflosigkeit, das Offensichtliche - also Friedland - nicht greifen zu können. Dabei tragen sie aber niemals zu dick auf und verlieren sich in Platitüden, sondern agieren wunderbar realistisch. Selbst die kleinen Spielereinen zwischendurch wie das synchrone Kaffeetrinken wirken bei den beiden niemals platt und inszeniert.

Auch wenn "Nachtsicht" in der zweiten Hälfte an Tempo verliert und der Weg bis zum Finale etwas lang wird, zeigt der Bremen-Tatort mal wieder nicht nur sein eigenes Potential, sondern das der ganzen Reihe - wenn denn fähige Leute an den Hebeln sitzen. Der Lohn: 9,88 Millionen und 26,7 % Marktanteil!

Die besten Twitter-Kommentare zum Tatort aus Bremen

Car Porn im Tatort: Beim sinnlichen Waschen des Mordwerkzeuges inklusive Blut und einzelnen Zähnen lief Musik. Und Twitter so:

In Fachkreisen sagt man wohl "dysfunktional". Die Familienverhältnisse der Friedlands waren jedenfalls durchgehend Gesprächsthema.

Aber beim Urteil sind sich diese Mal fast alle einig:

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