Bremen-Tatort "Brüder": Stromberg jagt den Bachelor

Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) nehmen es in "Brüder" mit einem ganzen Gangster-Clan auf.

Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) nehmen es in "Brüder" mit einem ganzen Gangster-Clan auf. © Radio Bremen/Jörg Landsberg

20.02.2014 · von Tobias Frauen

Unter den Tatort-Kommissaren ist es scheinbar zum Reflex geworden, gegen neue Tatort-Kommissare zu wettern. Wer mehr als eine Handvoll Folgen gedreht hat, der tut gut daran, sich im Interview "Sorgen um den Tatort" zu machen oder vor einer "Ermittlerschwemme" zu warnen. Aufmerksamkeit für den eigenen Fall und x-faches Zitiert-werden ist dem geneigten Veteran damit sicher. Auch Sabine Postel alias Inga Lürsen schlug im Vorfeld zum neuen Bremer Fall "Brüder" in diese Kerbe. Dabei muss sich ihr neuer Tatort gar nicht vor der Konkurrenz verstecken.

Worum geht’s?

Es geht blutig los: Streifenpolizistin Anne Peters und ihr Kollege David Förster (Christoph Letkowski) geraten bei einer Routine-Kontrolle an Hassan Nidal (Dar Salim) und seine Brüder – ein stadtbekannter Clan, der seine Finger in Drogengeschäften und Prostitution hat. Während Anne ins Koma geprügelt wird, ist David am nächsten Morgen verschwunden. Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) halten ihn zunächst für tot, doch dann taucht David wieder auf und verstrickt sich in Widersprüche.

Hat der allmächtige Clan David unter Druck gesetzt? Was wollten die Nidals vertuschen, als sie die beiden Polizisten angriffen? Mit normalen polizeilichen Mitteln kommen die Bremer Tatort-Kommissare nicht weit, auch die Justiz droht zu scheitern. Und David, der schwer an dem Vorfall zu knacken hat, geht auf eigene Faust gegen Hassan Nidal vor.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

"Brüder" zeigt die Machtlosigkeit gegenüber organisierter Kriminalität, wirft aber auch die Frage nach der Verantwortung und Pflicht jedes einzelnen Polizisten auf. Mit drastischen Bildern und drastischen Worten wird nicht gespart, das geht auch an Lürsen und Stedefreund nicht spurlos vorbei. Dennoch kein bedeutungsschwerer Moral-Krimi, sondern eher ein Thriller.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Der Begriff "organisierte Kriminalität" ist in diesem Fall relativ. Es dauert ein bisschen, bis man als Zuschauer die Zusammenhänge durchblickt hat. Außerdem trägt dieser Tatort stets ein bisschen zu dick auf: Lürsen und Stedefreund alleine gegen den gefürchteten Familien-Clan, das ist eine Hausnummer zu groß. Gangster-Boss Hassan hat zudem leider einen niedlichen dänischen Akzent ("Game of Thrones"-Darsteller Dar Salim wuchs in Kopenhagen auf), und seine Brüder werfen arg klischeehaft mit Schimpfwörtern und Beleidigungen um sich.

Bester Auftritt

Nachdem in den letzten Bremen-Tatorten viel Privates im Mittelpunkt stand (Sinnkrise bei Nils Stedefreund, Ingas ermordete Liebe Leo Uljanoff), beschränkt sich "Brüder" auf das Wesentliche – die Kriminalgeschichte. Das ermöglicht eine sehr stringente Erzählung und diese Konzentration steht den Figuren gut. Denn bei all ihren Facetten sind Inga Lürsen und Nils Stedefreund immer noch Polizisten und dürfen auch mal einen Fall lösen, ohne direkt betroffen zu sein.

Was muss man sich merken?

"Brüder" wurde gemeinsam mit dem nächsten Bremer Tatort (Arbeitstitel: "Alle meine Jungs") gedreht – episodenübergreifende Zusammenhänge wären deswegen nicht überraschend. Außerdem bleiben einige Fragen offen, die in einem Anschluss-Tatort geklärt werden könnten. Als, gut aufpassen!

Und sonst so?

Kennen wir uns nicht irgendwoher? Man hat bei diesem Tatort sehr oft das Gefühl, die Leute schon mal gesehen zu haben: Der Leiter des Polizeireviers sieht aus wie Stromberg, während der RTL-"Bachelor" optisch wunderbar zu den Gangstern passen würde. Deren schnurrbarttragender Anwalt wiederum hat frappierende Ähnlichkeit mit Earl Hickey aus "My Name is Earl".

Soll man gucken?

Nach dem Zirkus Odenthal aus Ludwigshafen ist dieser Bremen-Tatort eine deutliche Steigerung. Mit einigermaßen glaubhaften Ermittlern und einer guten Story erweist sich "Brüder" dem Sendeplatz und dem Titel Tatort als würdig. Unterm Strich keine Perle, aber eine solide Unterhaltung für den Sonntag Abend.

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