Bremen-Tatort "Alle meine Jungs": Einmal Müllmann, immer Müllmann

"Alle meine Jungs": Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) wird von der Müllmann-Gang bedroht.

"Alle meine Jungs": Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) wird von der Müllmann-Gang bedroht. © Radio Bremen/Jörg Landsberg

19.05.2014 · von Tobias Frauen

Wie war die Quote?

9,70 Millionen und 28,4% Marktanteil (14-49: 3,19 Mio.; 23,8%) sind eine sehr, sehr gute Quote - angesichts der exorbitanten Zahlen in den letzten Wochen wirkt alles unter zehn Millionen aber immer ein bisschen enttäuschend. Nichtsdestotrotz können sich die Zuschauerzahlen mehr als sehen lassen.

Wie haben sich die Kommissare geschlagen?

Ordentlich. Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) gehören zwar inzwischen zu den dienstältesten Kommissaren im Tatort, sind jedoch noch immer frisch und motiviert. In der teils etwas unübersichtlichen Story um die kriminellen Müllmänner agierten sie souverän, jedoch nicht mit vollem Einsatz. Stellenweise hätten wir uns ein bisschen mehr Pep gewünscht - und vielleicht den einen oder anderen Kommentar zu dem, was da um sie herum passiert.

Was gab es von der Stadt zu sehen?

Hauptsächlich ein kleines Viertel in der Nähe des Industriehafens - und jede Menge Müll. Das Setting war sehr gut gewählt, um die Gemeinschaft der Müllmänner spürbar zu machen und ihre Träume vom sicheren Leben. Schön, dass der Tatort solche Ecken zur Kulisse macht - und nicht immer nur im Verhörraum oder vor Sehenswürdigkeiten spielt. Nix zu meckern also!

Was war gut?

Einige gute Einfälle hatte das Drehbuch von "Alle meine Jungs" durchaus zu bieten. Die eingeschworene Gemeinschaft der Müllmänner, das skurrile Setting im China-Restaurant, das ist an und für sich eine interessante Geschichte. Auch die Episodenrollen waren top besetzt, ohne dass auf die Handvoll Standard-Darsteller zurückgegriffen worden wäre, die man ohnehin in jedem dritten Tatort sieht - sehr gut!

War das Ende okay?

Irgendwie war klar, dass die schmierigen Müll-Manager davonkommen. Dass jedoch die Gemeinschaft der orangenen Truppe auch ohne "Papa" fortbesteht und das Viertel weiterlebt, erfreut uns doch irgendwie. Da kann man fast darüber hinwegsehen, dass all das doch ein bisschen hanebüchen wirkt.

Was war zu viel?

Orange. Durch die vielen Figuren wurde die Story unübersichtlich, außerdem gab es stellenweise zu viele Sprünge zwischen den Handlungssträngen. Außerdem war zuviel orange zu sehen, als dass man die Müllwerker wirklich hätte auseinanderhalten können. Zu allem Überfluss trug der flüchtende Sascha dann auch noch einen orange-lastigen Hoodie - einmal Müllmann, immer Müllmann.

Was hat Twitter gesagt?

Zu Beginn "Daddy Cool", später dann die Stones und Falco: Den Tatort-Soundtrack hatte wohl ein Party-DJ gemacht.

Der Star des Abends war ganz klar Roeland Wiesnekker alias "Papa"! Manch einer sah den Schweizer Schauspieler auch schon in anderer Rolle...

Das schöne an den norddeutschen Tatorten: Die sprachliche Schönheit der Dialoge und die geschliffenen Formulierungen:

Unterm Strich: Viel Gutes, aber auch ein wenig Verwirrung.

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